Fall: Aciclovir Lippenherpescreme
- Wirkstoff: Aciclovir
- Gruppe: Virostatikum
- Form: Creme
- rezeptfrei
- Patientin: Nina Scholz, 26 Jahre
Die unerwünschte Wirkung: Brennen, Rötung und Schwellung der Lippe nach dem Auftragen — etwa eine Stunde nach dem ersten Auftragen, Dauer etwa fünf Tage, ohne Schaden erholt.
Teil 1: Beratungsgespräch
Begrüßung und Anliegen
Anamnese
- Das Arzneimittel
- Anwendung und Dosierung
- Nebenwirkungen
- Wechselwirkungen
- Aufbewahrung
- Entsorgung
- Hinweise und Grenzen der Selbstmedikation
- Die aufgetretene Nebenwirkung
- Abschluss
Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“
Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.
- „Wie hieß das Medikament genau?“
- „Welche Stärke hatten die Kapseln?“
- „Haben Sie die Packung noch, auch die leere?“
- „Auf der Packung stehen eine PZN und eine Chargenbezeichnung — könnten Sie sie mir bringen?“
- „Haben Sie die Kapseln geschluckt?“
- „Wie oft am Tag haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wie viele Kapseln jedes Mal, und zu welcher Uhrzeit?“
- „Von wann bis wann haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wissen Sie das genaue Datum noch?“
- „Wogegen haben Sie das Medikament genommen?“
- „Nehmen Sie noch andere Medikamente?“
- „Auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel?“
- „Trat der Juckreiz auf, nachdem Sie mit den Kapseln begonnen hatten?“
In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.
Teil 3: Gespräch mit der Kollegin
Ich habe einen AMK-Bogen zu einer lokalen Reaktion unter einer Lippenherpescreme. Die Folge war, dass die Patientin ihren Herpes seit einem Jahr gar nicht mehr behandelt.
In der App folgen: Die Patientin · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.
Prüferfragen
Wann und wie wird Aciclovir-Creme angewendet?
So früh wie möglich, am besten schon im Prodromalstadium — beim ersten Kribbeln, bevor Bläschen entstehen. Fünfmal täglich im Abstand von etwa vier Stunden, dünn auf die Läsion und einen schmalen Rand darüber hinaus, aufgetragen mit einem Wattestäbchen oder nach gründlichem Händewaschen. Behandlungsdauer vier bis fünf Tage, höchstens zehn.
Wie wirksam ist die Creme?
Ehrlich gesagt begrenzt: Sie verkürzt den Verlauf um etwa einen halben bis einen Tag, wenn sie früh begonnen wird. Sie verhindert einen Ausbruch nicht und beseitigt das Virus nicht — das bleibt lebenslang in den Nervenknoten. Diese Ehrlichkeit ist Teil der Beratung: Sie schützt vor überzogenen Erwartungen und macht den Weg frei für die wirksameren Maßnahmen wie den Lichtschutz.
Warum soll die Creme mit einem Wattestäbchen aufgetragen werden?
Damit das Virus nicht an die Finger und von dort weiterverschleppt wird — vor allem nicht ans Auge. Ein Herpes am Auge kann die Hornhaut schädigen und ist ein augenärztlicher Notfall. Aus demselben Grund: Hände vor und nach dem Auftragen waschen, Wattestäbchen sofort entsorgen, Handtuch täglich wechseln.
- Worauf müssen Sie beim Thema Ansteckung hinweisen?
- Wann gehört Lippenherpes zum Arzt?
- Was raten Sie zur Vorbeugung?
- Welche Alternative gibt es zur Creme?
- Wie unterscheiden Sie eine normale Reaktion von einer Unverträglichkeit?
- Welche Folge halten Sie hier für besonders berichtenswert?
- Die Patientin fürchtet eine erneute Reaktion. Wie gehen Sie damit um?
Fachbegriffe zu diesem Fall
| Fachsprache | Für die Kundin |
|---|---|
| Herpes labialis | Lippenherpes |
| Herpes-simplex-Virus | Erreger des Lippen- und Genitalherpes |
| Rezidiv | Rückfall |
| Prodromalstadium | Vorstufe mit Kribbeln, bevor Bläschen entstehen |
| Vesikel | Bläschen |
| Kruste | Schorf über einer abheilenden Läsion |
| Erythem | Hautrötung |
| Ödem | Schwellung, Wassereinlagerung |
| Angioödem | Schwellung von Haut und Schleimhaut, z. B. an Lippen und Zunge |
| Virostatikum | Mittel gegen Viren |
| Nukleosidanalogon | Wirkstoff, der sich als falscher Baustein in das Virenerbgut einbaut |
| topisch | örtlich, auf die Haut aufgetragen |
| Kontaktdermatitis | Hautentzündung durch einen berührten Stoff |
| Keratitis | Hornhautentzündung |
| Herpes-Keratitis | Hornhautentzündung durch Herpesviren |
| Immunsuppression | geschwächte körpereigene Abwehr |
| Neonatalperiode | erste Lebenswochen des Neugeborenen |
| Autoinokulation | Selbstansteckung durch Verschleppen des Erregers |
| Hydrokolloid | gelbildendes Pflastermaterial |
| Lichtschutzfaktor | Maß für den Schutz vor Sonnenbrand |
Aussprache
| Betonung | Hinweis |
|---|---|
| A·ci·CLO·vir | Das c vor i wird zum ts-Laut: „A-zi-klo-vir“. Betont wird die dritte Silbe. |
FSP Apotheker
Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.