Fall: Bisoprolol 5 mg
- Wirkstoff: Bisoprolol
- Gruppe: Betablocker
- Form: Filmtabletten
- verschreibungspflichtig
- Patient: Klaus Lehmann, 64 Jahre
Die unerwünschte Wirkung: Herzrasen, Blutdruckanstieg und Brustenge nach eigenmächtigem Absetzen — etwa drei Tage nach dem Absetzen, Dauer etwa vier Tage, ohne Schaden erholt.
Teil 1: Beratungsgespräch
Begrüßung und Anliegen
Anamnese
- Das Arzneimittel
- Anwendung und Dosierung
- Nebenwirkungen
- Wechselwirkungen
- Aufbewahrung
- Entsorgung
- Hinweise und Grenzen der Selbstmedikation
- Die aufgetretene Nebenwirkung
- Abschluss
Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“
Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.
- „Wie hieß das Medikament genau?“
- „Welche Stärke hatten die Kapseln?“
- „Haben Sie die Packung noch, auch die leere?“
- „Auf der Packung stehen eine PZN und eine Chargenbezeichnung — könnten Sie sie mir bringen?“
- „Haben Sie die Kapseln geschluckt?“
- „Wie oft am Tag haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wie viele Kapseln jedes Mal, und zu welcher Uhrzeit?“
- „Von wann bis wann haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wissen Sie das genaue Datum noch?“
- „Wogegen haben Sie das Medikament genommen?“
- „Nehmen Sie noch andere Medikamente?“
- „Auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel?“
- „Trat der Juckreiz auf, nachdem Sie mit den Kapseln begonnen hatten?“
In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.
Teil 3: Gespräch mit der Kollegin
Ich habe einen AMK-Bogen mit zwei Ereignissen in einem Fall: Müdigkeit unter Bisoprolol als Nebenwirkung — und eine Rebound-Symptomatik nach dem abrupten Absetzen, das aus dieser Müdigkeit folgte. Beim Kardiologen rufe ich an.
In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.
Prüferfragen
Warum darf ein Betablocker nicht abrupt abgesetzt werden?
Weil der Körper unter der Behandlung mehr Beta-Rezeptoren ausbildet — eine Gegenregulation gegen die Blockade. Fällt der Betablocker plötzlich weg, treffen die Stresshormone auf diese vermehrten Rezeptoren, und es kommt zum Rebound: Tachykardie, Blutdruckanstieg, Angina pectoris, Herzrhythmusstörungen — bei koronarer Herzkrankheit in Einzelfällen bis zum Myokardinfarkt. Abgesetzt wird deshalb nur ausschleichend über ein bis zwei Wochen und nach ärztlicher Rücksprache.
Welche Nebenwirkungen führen am häufigsten zum Absetzen?
Müdigkeit und Leistungsminderung, kalte Hände und Füße, Schlafstörungen mit lebhaften Träumen, depressive Verstimmung — und bei Männern die erektile Dysfunktion, die oft verschwiegen wird. Wichtig ist, sie aktiv anzusprechen: Es gibt Lösungen — niedrigere Dosis, anderer Betablocker, abendliche Einnahme —, und ein eigenmächtiges Absetzen ist die gefährlichste aller Reaktionen.
Was müssen Sie einem Diabetiker unter Betablocker sagen?
Dass die Zeichen einer Unterzuckerung verschleiert werden können: Herzrasen und Zittern fallen weg, weil sie über dieselben Rezeptoren vermittelt werden, die der Betablocker blockiert. Was bleibt, ist das Schwitzen — dazu Heißhunger, Konzentrationsstörungen und Verwirrtheit. Darauf muss er besonders achten, und er sollte häufiger messen.
- Bei welchen Erkrankungen sind Betablocker problematisch?
- Worauf soll der Patient unter einem Betablocker achten?
- Was raten Sie einem sportlichen Patienten unter Betablocker?
- Welche Wechselwirkungen sind zu beachten?
- Wie hätte sich das Absetzen verhindern lassen?
- Wie tragen Sie zwei zusammenhängende Ereignisse ein?
- Ist ein Rebound nach eigenmächtigem Absetzen meldepflichtig?
Fachbegriffe zu diesem Fall
| Fachsprache | Für die Kundin |
|---|---|
| Betablocker | Mittel, das Herzfrequenz und Blutdruck senkt |
| kardioselektiv | überwiegend am Herzen wirkend |
| Beta-1-Rezeptor | Andockstelle am Herzen |
| Rebound-Effekt | überschießende Gegenreaktion nach plötzlichem Absetzen |
| Myokardinfarkt | Herzinfarkt |
| Angina pectoris | Enge und Druck in der Brust bei Sauerstoffmangel des Herzens |
| pektanginös | auf Angina pectoris hinweisend |
| Bradykardie | verlangsamter Herzschlag |
| Tachykardie | Herzrasen |
| AV-Block | Störung der Erregungsleitung im Herzen |
| Herzinsuffizienz | Herzschwäche |
| Orthopnoe | Atemnot im Liegen |
| Hypoglykämie | Unterzuckerung |
| erektile Dysfunktion | Erektionsstörung |
| periphere arterielle Verschlusskrankheit | Durchblutungsstörung der Beine |
| Ausschleichen | schrittweises Verringern der Dosis vor dem Absetzen |
| Rezeptorhochregulation | Vermehrung der Andockstellen als Gegenreaktion |
| Sympathomimetikum | Stoff, der wie die Stresshormone wirkt |
| Prognose | voraussichtlicher Verlauf einer Erkrankung |
| Sekundärprävention | Vorbeugung eines erneuten Ereignisses |
Aussprache
| Betonung | Hinweis |
|---|---|
| Bi·so·pro·LOL | Wie alle Betablocker auf -olol: Betonung auf der letzten Silbe, das o dort lang. |
FSP Apotheker
Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.