Apotheker-Prüfungen

Fall: Furosemid 40 mg

Die unerwünschte Wirkung: Wadenkrämpfe, Schwäche und Herzstolpern seit etwa zwei Wochen — etwa eine Woche nach der Dosiserhöhung, Dauer seit etwa zwei Wochen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, Frau Köhler, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich brauche meine Wassertabletten. Der Arzt hat die Menge erhöht.
Wieder eine Dosiserhöhung — das ist der häufigste Ausgangspunkt für eine Nebenwirkung. Merken Sie sich den Zeitpunkt.
Apotheker/inGern. Furosemid 40 Milligramm — für Sie selbst?
Kundin/KundeJa.
Für wen — Patientin selbst
Apotheker/inIch würde ein paar Fragen stellen wollen, dann kann ich Sie besser beraten. Ist das recht?
Kundin/KundeJa, ich habe Zeit.

Anamnese

Apotheker/inWogegen nehmen Sie die Tabletten?
Kundin/KundeWegen des Wassers in den Beinen. Ich habe eine Herzschwäche.
Indikation — Ödeme bei Herzinsuffizienz
Apotheker/inSeit wann nehmen Sie Furosemid, und wann wurde erhöht?
Kundin/KundeSeit drei Jahren. Vorher eine halbe Tablette, seit drei Wochen eine ganze.
Dosisänderung — vor etwa 3 Wochen von 20 mg auf 40 mg täglich erhöht
Apotheker/inHaben Sie eine Waage zu Hause und wiegen Sie sich regelmäßig?
Kundin/KundeWiegen? Nein, warum?
Apotheker/inBei einer Herzschwäche ist das Gewicht der beste Anhaltspunkt dafür, ob Wasser kommt oder geht. Ich erkläre es Ihnen gleich.
Selbstkontrolle — keine regelmäßige Gewichtskontrolle
Die tägliche Gewichtskontrolle ist bei Herzinsuffizienz die wichtigste Selbstbeobachtung. Fragen Sie danach — sie fehlt sehr oft.
Apotheker/inSind die Beine jetzt besser geworden?
Kundin/KundeJa, deutlich. Die Schuhe passen wieder.
Wirksamkeit — Ödeme deutlich rückläufig
Apotheker/inWelche Medikamente nehmen Sie sonst?
Kundin/KundeRamipril, Bisoprolol, und eine gegen den Zucker — Metformin. Und Pantoprazol.
Begleitmedikation — Ramipril, Bisoprolol, Metformin, Pantoprazol
Apotheker/inNehmen Sie Abführmittel oder Entwässerungstees?
Kundin/KundeJa, ab und zu ein Abführmittel. Und einen Blasen-Nieren-Tee.
Begleitmedikation — gelegentlich Laxans, regelmäßig Blasen-Nieren-Tee
Abführmittel und harntreibende Tees verstärken den Kaliumverlust. Diese Frage stellen Sie bei jedem Diuretikum.
Apotheker/inNehmen Sie Schmerzmittel?
Kundin/KundeManchmal Ibuprofen für den Rücken. Nicht oft.
Begleitmedikation — gelegentlich Ibuprofen
Ibuprofen schwächt die Wirkung der Diuretika und belastet zusammen mit dem ACE-Hemmer die Niere. Halten Sie es fest.
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten, besonders gegen Sulfonamide?
Kundin/KundeNein, nichts.
Allergien — keine bekannt; keine Sulfonamidallergie
Furosemid ist ein Sulfonamidderivat. Bei bekannter Sulfonamidallergie ist Vorsicht geboten.
Apotheker/inTrinken Sie ausreichend? Und wie viel am Tag?
Kundin/KundeIch trinke wenig, damit nicht so viel Wasser kommt. Vielleicht einen Liter.
Trinkmenge — etwa 1 Liter täglich, bewusst eingeschränkt
Die Vorstellung, weniger zu trinken helfe gegen Ödeme, ist verbreitet und falsch. Sie führt zusammen mit dem Diuretikum in die Exsikkose.
Apotheker/inRauchen Sie, trinken Sie Alkohol?
Kundin/KundeNein, beides nie.
Genussmittel — Nichtraucherin, kein Alkohol
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Furosemid AL 40 mg Tabletten
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
1 × täglich 40 mg; Einnahmezeitpunkt bislang unregelmäßig, häufig erst nachmittags
Dauer der Anwendung
Furosemid seit etwa drei Jahren, die Dosis von 40 mg seit etwa drei Wochen
Indikation
Ödeme bei Herzinsuffizienz
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Ramipril, Bisoprolol, Metformin, Pantoprazol als Dauermedikation; zusätzlich gelegentlich ein stimulierendes Laxans, regelmäßig ein harntreibender Blasen-Nieren-Tee, gelegentlich Ibuprofen sowie eine Selbstmedikation mit Magnesium ohne Erfolg
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu einer vermuteten Hypokaliämie unter Furosemid bei einer 79-jährigen Patientin und veranlasse eine kurzfristige Elektrolytkontrolle. Der Punkt ist: Sie hat die Beschwerden zwei Wochen lang für Altersbeschwerden gehalten.

Die Fehldeutung als Alter ist bei älteren Patienten das Kernproblem. Nennen Sie sie im ersten Satz.

In der App folgen: Die Patientin · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie erklären Sie einer Patientin die Wirkung von Furosemid?

Es sorgt dafür, dass die Niere mehr Salz ausscheidet — und mit dem Salz geht Wasser mit. Dadurch wird das eingelagerte Wasser aus den Beinen und aus der Lunge ausgeschwemmt, und das Herz muss weniger Arbeit leisten. Es wirkt schnell, nach etwa einer halben Stunde, und hält vier bis sechs Stunden an.

Der Zusammenhang „Salz zieht Wasser mit“ ist das Bild, das trägt. Es erklärt zugleich die Elektrolytverluste.
Warum wird Furosemid morgens eingenommen?

Weil die Wirkung nach etwa 30 Minuten einsetzt und vier bis sechs Stunden anhält. Morgens genommen läuft sie tagsüber ab. Wird die Tablette am Nachmittag oder Abend genommen, muss die Patientin nachts mehrfach aufstehen — das stört den Schlaf und ist bei älteren Menschen eine erhebliche Sturzgefahr. Bei zwei Gaben liegt die zweite spätestens am frühen Nachmittag.

Die Sturzgefahr ist das eigentliche Argument. Sie hebt die Antwort über die reine Pharmakokinetik hinaus.
Woran erkennen Sie einen Kaliummangel?

An Muskelschwäche und Wadenkrämpfen, Müdigkeit und Leistungsminderung, Obstipation — und, am wichtigsten, an Herzrhythmusstörungen oder dem Empfinden von Extraschlägen. Bestätigt wird der Verdacht durch die Bestimmung des Serumkaliums. Bei Palpitationen ist die Abklärung dringlich, weil eine Hypokaliämie Rhythmusstörungen auslösen kann.

Diese Symptomliste ist bei jedem Diuretikum Pflichtwissen. Das Herzstolpern gehört an den Schluss und in den Vordergrund.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
Diuretikumharntreibendes Mittel, Wassertablette
Schleifendiuretikumstark wirkendes Entwässerungsmittel
ÖdemSchwellung, Wassereinlagerung
HerzinsuffizienzHerzschwäche
LungenödemWasser in der Lunge
HypokaliämieKaliummangel im Blut
Hyperkaliämiezu viel Kalium im Blut
HyponatriämieNatriummangel im Blut
ElektrolyteSalze im Körper
ExsikkoseAustrocknung
Hypovolämiezu geringe Flüssigkeitsmenge im Kreislauf
PalpitationHerzklopfen, Herzstolpern
ArrhythmieHerzrhythmusstörung
ExtrasystoleExtraschlag des Herzens
ObstipationVerstopfung
MyalgieMuskelschmerz
orthostatische HypotonieBlutdruckabfall beim Aufstehen
LaxansAbführmittel
MacrogolAbführmittel, das Wasser im Darm bindet
KreatininBlutwert zur Beurteilung der Nierenfunktion

Aussprache

BetonungHinweis
Fu·ro·se·MIDDas s zwischen Vokalen ist weich (wie in „Rose“), das d am Ende klingt wie t.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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