Fall: Marcumar 3 mg
- Wirkstoff: Phenprocoumon
- Gruppe: Vitamin-K-Antagonist
- Form: Tabletten
- verschreibungspflichtig
- Patient: Werner Schilling, 69 Jahre
Die unerwünschte Wirkung: Nasenbluten und großflächige blaue Flecken seit einer Woche — etwa fünf Tage nach Beginn einer Antibiotikabehandlung, Dauer seit etwa einer Woche anhaltend, noch nicht erholt.
Teil 1: Beratungsgespräch
Begrüßung und Anliegen
Anamnese
- Das Arzneimittel
- Anwendung und Dosierung
- Nebenwirkungen
- Wechselwirkungen
- Aufbewahrung
- Entsorgung
- Hinweise und Grenzen der Selbstmedikation
- Die aufgetretene Nebenwirkung
- Abschluss
Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“
Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.
- „Wie hieß das Medikament genau?“
- „Welche Stärke hatten die Kapseln?“
- „Haben Sie die Packung noch, auch die leere?“
- „Auf der Packung stehen eine PZN und eine Chargenbezeichnung — könnten Sie sie mir bringen?“
- „Haben Sie die Kapseln geschluckt?“
- „Wie oft am Tag haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wie viele Kapseln jedes Mal, und zu welcher Uhrzeit?“
- „Von wann bis wann haben Sie das Medikament eingenommen?“
- „Wissen Sie das genaue Datum noch?“
- „Wogegen haben Sie das Medikament genommen?“
- „Nehmen Sie noch andere Medikamente?“
- „Auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel?“
- „Trat der Juckreiz auf, nachdem Sie mit den Kapseln begonnen hatten?“
In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.
Teil 3: Gespräch mit der Kollegin
Ich habe hier einen Patienten mit Blutungszeichen unter Marcumar und einer sehr wahrscheinlichen Wechselwirkung mit Clarithromycin. Ich veranlasse gerade eine INR-Kontrolle noch für heute und habe dazu einen AMK-Bogen ausgefüllt.
In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.
Prüferfragen
Wie erklären Sie einem Patienten die Wirkung von Marcumar?
Die Leber braucht Vitamin K, um die Stoffe herzustellen, die das Blut gerinnen lassen. Marcumar blockiert diese Wirkung des Vitamin K; dadurch gerinnt das Blut langsamer, und es bilden sich seltener Gerinnsel. Genau genommen wird das Blut nicht dünner — es gerinnt nur langsamer.
Was ist der INR, und welcher Bereich wird angestrebt?
Der INR ist ein standardisierter Messwert für die Gerinnungszeit. Ein Gesunder liegt bei etwa 1,0; je höher der Wert, desto langsamer gerinnt das Blut. Bei Vorhofflimmern liegt der Zielbereich meist bei 2,0 bis 3,0. Kontrolliert wird in der Regel alle drei bis vier Wochen — bei jeder neuen Begleitmedikation und nach jeder Dosisänderung engmaschiger.
Warum ist Clarithromycin bei einem Marcumar-Patienten problematisch?
Clarithromycin hemmt die abbauenden Enzyme in der Leber. Phenprocoumon wird dadurch langsamer abgebaut, seine Konzentration steigt, der INR steigt — und mit ihm das Blutungsrisiko. Die Wirkung setzt über einige Tage ein. Wird ein solches Antibiotikum nötig, gehört eine engmaschige INR-Kontrolle dazu, oder man wählt ein Antibiotikum ohne diese Wechselwirkung.
- Darf ein Marcumar-Patient Kohl und Spinat essen?
- Welche Blutungszeichen müssen zum Arzt führen?
- Was tut der Patient, wenn er eine Einnahme vergessen hat?
- Ist es vertretbar, eine Dosis auszusetzen?
- Welches Schmerzmittel empfehlen Sie unter Marcumar?
- Wozu dient der Antikoagulanzienausweis?
- Warum melden Sie diesen Fall, obwohl die Wechselwirkung bekannt ist?
Fachbegriffe zu diesem Fall
| Fachsprache | Für die Kundin |
|---|---|
| Antikoagulans | Mittel, das die Blutgerinnung hemmt |
| Vitamin-K-Antagonist | Gerinnungshemmer, der die Wirkung von Vitamin K blockiert |
| INR | standardisierter Messwert für die Gerinnungszeit |
| Vorhofflimmern | unregelmäßiger Herzschlag der Herzvorhöfe |
| Thrombus | Blutgerinnsel |
| Thromboembolie | Verschleppung eines Gerinnsels mit Gefäßverschluss |
| Apoplex | Schlaganfall |
| Epistaxis | Nasenbluten |
| Hämatom | blauer Fleck, Bluterguss |
| Petechien | punktförmige Hauteinblutungen |
| Hämaturie | Blut im Urin |
| Meläna | schwarzer Stuhl, Teerstuhl |
| Hämoptyse | Bluthusten |
| intrakraniell | innerhalb des Schädels |
| Thrombozyt | Blutplättchen |
| Thrombozytenaggregationshemmer | Mittel, das das Verklumpen der Blutplättchen hemmt |
| Makrolid | Antibiotikagruppe, zu der Clarithromycin gehört |
| Enzyminhibition | Hemmung der abbauenden Enzyme, das Mittel wirkt stärker |
| Antikoagulanzienausweis | Ausweis mit Zielbereich, Werten und Dosis |
| Antidot | Gegenmittel |
Aussprache
| Betonung | Hinweis |
|---|---|
| Phen·pro·COU·mon | ph wird f, ou wird u: „Fen-pro-ku-mon“. |
| MAR·cu·mar | Betonung auf der ersten Silbe. |
| Cla·ri·thro·my·CIN | th wird t, y wird ü, das c vor i wird ts: „Kla-ri-tro-mü-zin“. |
FSP Apotheker
Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.