Apotheker-Prüfungen

Fall: Dextromethorphan 30 mg

Die unerwünschte Wirkung: Verwirrtheit, Halluzinationen und starker Schwindel am Abend — etwa zwei Stunden nach der Einnahme, Dauer etwa sechs Stunden, ohne Schaden erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich brauche etwas gegen Husten. Etwas Starkes, ich komme nachts nicht zur Ruhe.
„Etwas Starkes“ ist eine Erwartung, keine Indikation. Klären Sie erst die Art des Hustens.
Apotheker/inIst es für Sie selbst?
Kundin/KundeJa.
Für wen — Patient selbst
Apotheker/inIch stelle Ihnen ein paar Fragen, damit ich das Richtige finde. Ist das recht?
Kundin/KundeJa, bitte.

Anamnese

Apotheker/inIst der Husten trocken, oder kommt Schleim?
Kundin/KundeTrocken. Es kratzt und reizt, aber es kommt nichts.
Beschwerden — trockener Reizhusten ohne Auswurf
Die Unterscheidung zwischen trockenem und produktivem Husten entscheidet über die ganze Auswahl. Sie ist die erste Frage.
Apotheker/inSeit wann?
Kundin/KundeSeit drei Tagen. Angefangen hat es mit Halskratzen.
Dauer — seit 3 Tagen, im Rahmen eines beginnenden Infekts
Apotheker/inWann ist es am schlimmsten?
Kundin/KundeNachts. Kurz vor dem Einschlafen geht es los, dann liege ich stundenlang wach.
Auslöser — nächtliche Verstärkung, besonders beim Einschlafen
Der nächtliche Reizhusten ist die eigentliche Indikation eines Antitussivums. Halten Sie ihn fest — er begründet auch den Einnahmezeitpunkt.
Apotheker/inHaben Sie Fieber, Atemnot oder Schmerzen beim Atmen?
Kundin/KundeNein, nichts davon.
Alarmsymptome — kein Fieber, keine Atemnot, keine atemabhängigen Schmerzen
Apotheker/inHaben Sie Blut gehustet, oder ist der Auswurf verfärbt?
Kundin/KundeEs kommt ja nichts. Blut auf keinen Fall.
Alarmsymptome — keine Hämoptyse, kein verfärbter Auswurf
Apotheker/inRauchen Sie? Und sind bei Ihnen Asthma oder eine chronische Bronchitis bekannt?
Kundin/KundeIch rauche nicht. Asthma hatte ich als Kind, seit Jahren nichts mehr.
Vorerkrankungen — Asthma in der Kindheit, seit Jahren beschwerdefrei; Nichtraucher
Ein Antitussivum bei Asthma oder COPD ist heikel: Der Husten hat dort eine Schutzfunktion. Fragen Sie ausdrücklich danach.
Apotheker/inNehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
Kundin/KundeJa. Seit ein paar Monaten Sertralin, wegen einer depressiven Episode.
Begleitmedikation — Sertralin (SSRI) seit einigen Monaten
Hier liegt der Fall. Sertralin und Dextromethorphan sind eine ernst zu nehmende Kombination — merken Sie sie, führen Sie aber die Anamnese zu Ende.
Apotheker/inWissen Sie die Dosis?
Kundin/Kunde50 Milligramm, morgens.
Begleitmedikation — Sertralin 50 mg morgens
Apotheker/inNehmen Sie sonst noch etwas — auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzung?
Kundin/KundeNein.
Begleitmedikation — sonst keine
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten?
Kundin/KundeNein.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inUnd trinken Sie Alkohol?
Kundin/KundeAm Wochenende ein paar Bier.
Genussmittel — Nichtraucher, Alkohol am Wochenende
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Dextromethorphan 30 mg Hartkapseln; Präparat nicht sicher erinnerlich, Packung soll nachgereicht werden
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
vier Kapseln zu je 30 mg an einem Tag, insgesamt 120 mg — die Tageshöchstdosis wurde damit erreicht, aber nicht überschritten
Dauer der Anwendung
ein Tag im Februar 2026
Indikation
trockener Reizhusten
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Sertralin 50 mg morgens, seit Januar 2026 — zum Zeitpunkt des Ereignisses bereits eingenommen; zusätzlich Alkoholkonsum von etwa zwei Gläsern Bier am Abend des Ereignisses
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1 und 2 — vermutete Wechselwirkung zwischen Dextromethorphan und Sertralin
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu einem vermuteten Serotonin-Syndrom unter Dextromethorphan bei einem Patienten mit Sertralin. Bemerkenswert daran: Die Tageshöchstdosis war eingehalten.

Der Nachsatz ist die eigentliche Nachricht. Eine Reaktion innerhalb der zugelassenen Dosis wiegt für die Pharmakovigilanz schwerer als eine Überdosierung.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie wirkt Dextromethorphan?

Es wirkt zentral im Hustenzentrum des Gehirns und dämpft dort den Hustenreiz an der Stelle, wo er ausgelöst wird. Es ist ein Antitussivum und wirkt damit rein symptomatisch — es beseitigt die Ursache des Hustens nicht. Chemisch ist es mit den Opioiden verwandt, wirkt aber nicht schmerzstillend.

Die Verwandtschaft zu den Opioiden ohne analgetische Wirkung ist ein Detail, das Sicherheit zeigt.
Warum ist Dextromethorphan bei einem Patienten unter SSRI problematisch?

Aus zwei Gründen. Pharmakodynamisch: Beide erhöhen die serotonerge Aktivität, gemeinsam droht ein Serotonin-Syndrom. Pharmakokinetisch: Sertralin, Fluoxetin und Paroxetin hemmen CYP2D6, über das Dextromethorphan abgebaut wird — die Konzentration steigt auch bei normaler Dosis. Deshalb genügte hier die zugelassene Tageshöchstdosis.

Die Zweiteilung ist die vollständige Antwort. Wer nur einen Mechanismus nennt, erklärt den Fall nicht.
Woran erkennen Sie ein Serotonin-Syndrom?

An einer Trias: psychische Veränderungen wie Unruhe, Verwirrtheit und Halluzinationen; vegetative Zeichen wie Schwitzen, Tachykardie, Blutdruckanstieg und Fieber; und neuromuskuläre Zeichen wie Tremor, Muskelzuckungen und gesteigerte Reflexe. Es beginnt meist innerhalb von Stunden. Bei Verdacht: auslösendes Mittel absetzen und sofort ärztliche Hilfe.

Die Dreiteilung macht die Antwort strukturiert und merkbar. Nennen Sie sie in dieser Ordnung.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
AntitussivumHustenstiller
Expektoransschleimlösendes Hustenmittel
Mukolytikumschleimlösendes Mittel
produktiver HustenHusten mit Auswurf
Reizhustentrockener Husten ohne Auswurf
HämoptyseBluthusten
DyspnoeAtemnot
Serotonin-Syndromgefährliche Überflutung mit Serotonin
SSRIAntidepressivum, das den Serotoninspiegel erhöht
MAO-HemmerAntidepressivum, das abbauende Enzyme hemmt
CYP2D6Leberenzym, das viele Arzneistoffe abbaut
EnzyminhibitionHemmung der abbauenden Enzyme, das Mittel wirkt stärker
pharmakodynamischdie Wirkung am Zielort betreffend
pharmakokinetischAufnahme, Verteilung und Abbau betreffend
TremorZittern
Hyperhidroseübermäßiges Schwitzen
TachykardieHerzrasen
DesorientierungVerlust der Orientierung zu Ort oder Zeit
HalluzinationSinneswahrnehmung ohne äußeren Reiz
MucilaginosumSchleimstoff, der die Schleimhaut überzieht

Aussprache

BetonungHinweis
Dex·tro·me·THOR·phanth wird t, ph wird f: „Dex-tro-me-tor-fan“.
Ser·tra·LINNone

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

Ähnliche Fälle