Apotheker-Prüfungen

Fall: Spiolto Respimat

Die unerwünschte Wirkung: Trockener Mund, Schluckbeschwerden und erschwertes Wasserlassen — etwa drei Wochen nach Beginn der Anwendung, Dauer seit etwa sechs Wochen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich brauche mein Inhaliergerät neu. Spiolto.
Apotheker/inGern. Spiolto Respimat — für Sie selbst?
Kundin/KundeJa. Seit zwei Monaten.
Für wen — Patient selbst; Anwendung seit etwa 2 Monaten
Apotheker/inBei diesem Gerät gibt es einiges zu beachten. Darf ich das kurz mit Ihnen durchgehen?
Kundin/KundeMeinetwegen. Beim ersten Mal ging das ziemlich schnell.
„Ging ziemlich schnell“ ist der Hinweis, dass die Ersteinweisung unvollständig war. Nehmen Sie ihn ernst.

Anamnese

Apotheker/inWogegen nehmen Sie das Spiolto?
Kundin/KundeCOPD. Ich habe vierzig Jahre geraucht.
Indikation — COPD bei langjährigem Nikotinkonsum
Apotheker/inRauchen Sie noch?
Kundin/KundeWeniger. Fünf, sechs am Tag statt zwanzig.
Genussmittel — Raucher, aktuell 5–6 Zigaretten täglich, reduziert
Die Reduktion ist ein Erfolg und gehört anerkannt. Der vollständige Rauchstopp bleibt trotzdem die wirksamste Maßnahme bei COPD.
Apotheker/inDas ist schon einmal viel. Der vollständige Verzicht wäre das Einzige, was den Verlauf der COPD wirklich bremst — daran arbeiten wir gern gemeinsam.
Kundin/KundeIch weiß, ich weiß.
Verhaltenshinweis — Rauchstopp als wirksamste Maßnahme angesprochen
Apotheker/inWie geht es Ihnen mit der Luft? Wie weit kommen Sie beim Gehen?
Kundin/KundeBesser als vorher. Ich schaffe wieder eine Etage ohne Pause.
Wirksamkeit — Belastbarkeit gebessert, eine Etage ohne Pause
Apotheker/inHaben Sie ein Notfallspray, und wie oft brauchen Sie es?
Kundin/KundeSalbutamol, ja. Ein-, zweimal die Woche.
Begleitmedikation — Salbutamol als Bedarfsmedikation, 1–2 × wöchentlich
Apotheker/inWelche Medikamente nehmen Sie sonst?
Kundin/KundeRamipril, ein Statin, und Tamsulosin für die Prostata.
Begleitmedikation — Ramipril, Statin, Tamsulosin bei benigner Prostatahyperplasie
Die Prostatavergrößerung ist bei einem Anticholinergikum die entscheidende Angabe. Sie erklärt, was der Patient später berichten wird.
Apotheker/inSind weitere Erkrankungen bekannt — am Herzen, an den Augen, ein grüner Star?
Kundin/KundeAm Herzen war mal was, ein Flimmern. Und die Augen sind in Ordnung.
Vorerkrankungen — Vorhofflimmern in der Vorgeschichte; kein Glaukom bekannt
Engwinkelglaukom und Prostatavergrößerung sind die klassischen Vorsichtsgebiete bei Anticholinergika. Fragen Sie beide ab.
Apotheker/inHaben Sie Allergien?
Kundin/KundeNein.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inUnd trinken Sie Alkohol?
Kundin/KundeEin Bier am Abend.
Genussmittel — etwa 1 Glas Bier täglich
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Spiolto Respimat 2,5 µg/2,5 µg pro Hub, Lösung zur Inhalation (Tiotropium und Olodaterol)
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
inhalativ
Dosierung
2 Hübe 1 × täglich morgens
Dauer der Anwendung
seit etwa zwei Monaten, laufend
Indikation
COPD, Dauertherapie
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Tamsulosin bei benigner Prostatahyperplasie; Ramipril; Statin; Salbutamol-Dosieraerosol bei Bedarf, 1–2 × wöchentlich; im Haushalt vorhandene anticholinerge Reisetabletten, bisher nicht eingenommen
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu anticholinergen Nebenwirkungen unter Spiolto Respimat und rufe heute noch in der Hausarztpraxis an. Es geht um eine Blasenentleerungsstörung bei bekannter Prostatavergrößerung — mit einer Episode, die schon einem Harnverhalt nahekam.

Die Episode gehört in den ersten Satz. Sie unterscheidet eine lästige Nebenwirkung von einer dringlichen.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie wird ein Respimat richtig angewendet?

Bei geschlossener Kappe das durchsichtige Unterteil eine halbe Drehung bis zum Klick drehen, dann die Kappe öffnen. Langsam vollständig ausatmen — neben dem Gerät. Lippen fest um das Mundstück schließen, ohne die Lüftungsschlitze zu verdecken. Dann langsam und tief einatmen und dabei den Dosierknopf drücken. Atem etwa zehn Sekunden anhalten, langsam durch die Nase ausatmen. Zweiter Hub genauso. Danach Mund ausspülen.

Die Lüftungsschlitze und die langsame Einatmung sind die beiden Respimat-Besonderheiten.
Worin unterscheidet sich der Respimat von einem Pulverinhalator?

Der Respimat erzeugt einen langsamen Sprühnebel ohne Treibgas, der etwa anderthalb Sekunden anhält. Man atmet deshalb langsam und tief ein, wie bei einem Dosieraerosol — und nicht kräftig wie beim Pulverinhalator, wo der Atemzug selbst das Pulver mitreißen muss. Die längere Sprühdauer macht die Koordination leichter als beim Dosieraerosol.

Der Merksatz „Pulver kräftig, Nebel langsam“ trägt. Diese Verwechslung ist ein sehr häufiger Anwendungsfehler.
Was ist vor der ersten Anwendung zu tun?

Das Gerät muss vorbereitet werden: Patrone einsetzen, dann in Richtung Boden sprühen, bis eine sichtbare Wolke erscheint, und danach den Vorgang noch dreimal wiederholen. Nach einer Pause von mehr als sieben Tagen genügt ein Sprühstoß in die Luft; nach mehr als 21 Tagen wird die vollständige Vorbereitung wiederholt.

Die Erstvorbereitung sollte in der Apotheke geschehen. Bieten Sie sie an, statt sie nur zu erklären.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
COPDchronisch verengende Lungenerkrankung
EmphysemÜberblähung der Lunge
DyspnoeAtemnot
Exazerbationakute Verschlechterung einer chronischen Erkrankung
AnticholinergikumMittel, das einen bestimmten Nervenreiz blockiert
Beta-2-SympathomimetikumMittel, das die Bronchien erweitert
BronchodilatationErweiterung der Bronchien
paradoxer BronchospasmusVerkrampfung der Bronchien direkt nach der Inhalation
XerostomieMundtrockenheit
DysphagieSchluckstörung
Dysurieerschwertes oder schmerzhaftes Wasserlassen
Harnverhaltdie Blase kann nicht entleert werden
MiktionWasserlassen
RestharnUrin, der nach dem Wasserlassen in der Blase bleibt
benigne Prostatahyperplasiegutartige Vergrößerung der Vorsteherdrüse
EngwinkelglaukomGrüner Star mit engem Kammerwinkel
HaloFarbring um eine Lichtquelle
PalpitationHerzklopfen
HypokaliämieKaliummangel im Blut
Sprühnebelfeiner langsamer Nebel ohne Treibgas

Aussprache

BetonungHinweis
Ti·o·TRO·pi·umBetonung auf -tro-, wie bei Ipratropium.
O·lo·DA·te·rolBetonung auf -da-, das Ende -terol wie bei Salmeterol und Formoterol.
Spi·OL·to Res·pi·MATRespimat ist der Inhalator, Spiolto der Wirkstoffname — beide werden genannt.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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