Apotheker-Prüfungen

Fall: Montelukast 4 mg Kautabletten

Die unerwünschte Wirkung: Albträume, nächtliches Schreien und ungewohnte Aggressivität — etwa zwei Wochen nach Beginn der Einnahme, Dauer seit etwa drei Wochen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich möchte das Rezept für meinen Sohn einlösen — die Kautabletten fürs Asthma.
Apotheker/inGern. Montelukast 4 Milligramm. Wie alt ist Ihr Sohn, und wie viel wiegt er?
Kundin/KundeLuis ist fünf, 18 Kilo.
Für wen — Sohn der Kundin, 5 Jahre, 18 kg
Die 4-mg-Stärke ist für Kinder von zwei bis fünf Jahren. Alter und Gewicht bestätigen, dass die Verordnung passt.
Apotheker/inIch würde Ihnen dazu einige Fragen stellen wollen. Ist das recht?
Kundin/KundeJa, gern. Ich habe sowieso eine Frage.
„Ich habe sowieso eine Frage“ — merken Sie sich das. Arbeiten Sie die Anamnese ab, aber lassen Sie die Frage nicht untergehen.

Anamnese

Apotheker/inBekommt Luis das zum ersten Mal, oder schon länger?
Kundin/KundeSeit fünf Wochen. Der Kinderarzt hat es verschrieben, weil er nachts immer hustet.
Vorerfahrung — Montelukast seit etwa 5 Wochen
Apotheker/inWas hat der Kinderarzt genau festgestellt?
Kundin/KundeAsthma. Nachts Husten, und beim Toben pfeift es.
Indikation — Asthma bronchiale mit nächtlichem Husten und belastungsabhängigem Giemen
Apotheker/inBekommt er zusätzlich ein Spray?
Kundin/KundeJa, ein Kortisonspray morgens und abends mit einer Kammer. Und ein Notfallspray, das braucht er selten.
Begleitmedikation — inhalatives Kortikoid 2 × täglich über eine Inhalierhilfe, Bedarfsspray selten
Montelukast ist eine Ergänzung, kein Ersatz für das inhalative Kortikoid. Prüfen Sie, ob beides läuft.
Apotheker/inHat sich der Husten gebessert, seit er die Kautabletten nimmt?
Kundin/KundeJa, deutlich. Er schläft besser durch — also, was das Husten angeht.
Wirksamkeit — nächtlicher Husten deutlich gebessert
Der Nachsatz „was das Husten angeht“ ist bedeutsam. Hören Sie hin — die Mutter deutet schon an, dass etwas anderes den Schlaf stört.
Apotheker/inSind bei Luis Allergien bekannt?
Kundin/KundeGegen Gräser und Katzen. Und Neurodermitis hat er auch.
Allergien — Gräserpollen- und Katzenhaarallergie; atopische Dermatitis
Apotheker/inNimmt er sonst noch Medikamente?
Kundin/KundeEine Pflegecreme für die Haut, sonst nichts.
Begleitmedikation — Basispflege bei atopischer Dermatitis
Apotheker/inSind sonst Erkrankungen bekannt — Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen, etwas in der Familie?
Kundin/KundeNein. Er war immer ein ausgeglichenes Kind.
Vorerkrankungen — keine bekannten Verhaltens- oder Schlafstörungen; unauffällige Vorgeschichte
Diese Frage stellen Sie bei Montelukast ausdrücklich. Sie ist die Vergleichsgrundlage für alles, was gleich kommt.
Apotheker/inWie geht es ihm sonst? Isst er, spielt er, ist er wie immer?
Kundin/KundeGenau da wollte ich hin. Seit ein paar Wochen ist er wie ausgewechselt.
Auffälligkeit — Verhaltensänderung seit einigen Wochen, von der Mutter berichtet
Die offene Frage nach dem Allgemeinbefinden öffnet die Tür. Bei Montelukast gehört sie ins Gespräch.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Montelukast AbZ 4 mg Kautabletten
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
1 × täglich 1 Kautablette abends
Dauer der Anwendung
seit etwa fünf Wochen, laufend
Indikation
Asthma bronchiale im Kindesalter mit nächtlichem Husten und belastungsabhängigem Giemen
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
inhalatives Kortikoid 2 × täglich über eine Inhalierhilfe; kurzwirksames Bedarfsspray, selten benötigt; Basispflege bei atopischer Dermatitis
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu einer neuropsychiatrischen Reaktion unter Montelukast bei einem fünfjährigen Jungen. Die Mutter hatte den Zusammenhang nicht hergestellt — sie hielt es für eine Entwicklungsphase.

Der zweite Satz ist die eigentliche Nachricht: Ohne die aktive Ansprache im Beratungsgespräch wäre der Fall nie gemeldet worden.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie wirkt Montelukast?

Bei einer allergischen oder entzündlichen Reaktion werden Leukotriene freigesetzt — Botenstoffe, die die Bronchien verengen, die Schleimhaut anschwellen lassen und die Schleimbildung anregen. Montelukast blockiert deren Rezeptoren. Es ist kein Kortison und wirkt auf einem völlig anderen Weg; deshalb ersetzt es das inhalative Kortikoid nicht, sondern ergänzt es.

Der letzte Halbsatz verhindert einen gefährlichen Fehler. Sagen Sie ihn immer mit.
Welche Nebenwirkung von Montelukast müssen Sie bei der Abgabe ansprechen?

Die neuropsychiatrischen Reaktionen: Albträume, Schlafwandeln, Schlafstörungen, Reizbarkeit, Unruhe, Aggressivität, Angst, Depression und — sehr selten — Suizidgedanken. Sie können in jedem Alter und zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten. Dazu ist ein Rote-Hand-Brief ergangen, der ausdrücklich verlangt, Patienten und Betreuungspersonen darauf hinzuweisen.

Diese Frage ist bei Montelukast praktisch gesetzt. Der Rote-Hand-Brief muss beim Namen genannt werden.
Was ist ein Rote-Hand-Brief?

Ein Informationsschreiben des pharmazeutischen Unternehmers an die Fachkreise über neu erkannte, bedeutsame Arzneimittelrisiken oder erforderliche Maßnahmen. Er wird mit den Bundesoberbehörden — BfArM oder Paul-Ehrlich-Institut — abgestimmt und trägt als Kennzeichen die stilisierte rote Hand. In der Apotheke wird er zur Kenntnis genommen, dokumentiert und in der Beratung umgesetzt.

Die Dokumentationspflicht in der Apotheke gehört in die Antwort. Sie zeigt, dass Sie den Ablauf und nicht nur den Begriff kennen.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
Asthma bronchialechronische Verengung und Entzündung der Atemwege
Leukotrienekörpereigene Botenstoffe der allergischen Entzündung
Leukotrien-Rezeptor-AntagonistMittel, das die Andockstellen der Leukotriene blockiert
BronchokonstriktionVerengung der Bronchien
Giemenpfeifendes Atemgeräusch
Exazerbationakute Verschlechterung einer chronischen Erkrankung
atopische DermatitisNeurodermitis
Atopieangeborene Neigung zu Allergien
AllergenkarenzVermeidung des auslösenden Stoffes
neuropsychiatrischNerven und Psyche betreffend
InsomnieSchlaflosigkeit
SomnambulismusSchlafwandeln
Albtraumangstbesetzter Traum
Agitiertheitkrankhafte Unruhe
Aggressivitätgesteigerte Angriffsbereitschaft
Rote-Hand-Briefbehördlich abgestimmtes Warnschreiben zu einem Arzneimittelrisiko
BfArMBundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Nutzen-Risiko-AbwägungAbwägung zwischen Vorteil und Gefahr einer Behandlung
LatenzZeitspanne zwischen Einnahme und Auftreten einer Wirkung
KautabletteTablette, die zerkaut und nicht geschluckt wird

Aussprache

BetonungHinweis
Mon·te·LU·kastBetonung auf -lu-, das a in -kast kurz.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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