Apotheker-Prüfungen

Fall: Fentanyl 25 µg/h Matrixpflaster

Die unerwünschte Wirkung: Starke Müdigkeit und Verwirrtheit nach einem heißen Bad — wenige Stunden nach einem Vollbad, Dauer etwa einen Tag, ohne Schaden erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich bringe das Betäubungsmittelrezept für meinen Mann. Fentanylpflaster.
Die Person vor Ihnen ist nicht der Patient. Das ist bei einem BTM häufig — und es verändert, wen Sie was fragen können.
Apotheker/inDanke. Ich schaue mir das Rezept kurz an. — Es ist vollständig und in Ordnung. Sie sind die Ehefrau?
Kundin/KundeJa. Mein Mann kann nicht mehr gut laufen, deshalb komme ich.
Für wen — Ehemann der Kundin; Abholung durch die Ehefrau
Das BTM-Rezept vor der Beratung prüfen: Es ist nur sieben Tage nach Ausstellung gültig, und es muss die Menge in Buchstaben, die Gebrauchsanweisung und die Unterschrift tragen.
Apotheker/inIch würde Ihnen gern einiges zur Anwendung mitgeben — bei diesen Pflastern ist das besonders wichtig. Haben Sie einen Moment?
Kundin/KundeJa, natürlich.

Anamnese

Apotheker/inBekommt Ihr Mann das Pflaster zum ersten Mal?
Kundin/KundeNein, seit etwa einem halben Jahr. Wegen der Wirbelsäule und dem Tumor.
Vorerfahrung — Fentanylpflaster seit etwa 6 Monaten bei Tumorschmerz
Ein Fentanylpflaster darf nur bei Patienten angewendet werden, die bereits an Opioide gewöhnt sind. Bei einem Ersteinsatz wäre das die erste Frage an den Arzt.
Apotheker/inKommt er mit den Schmerzen zurecht?
Kundin/KundeMeistens. Zwischendurch braucht er die Tropfen.
Schmerzkontrolle — Basisschmerz überwiegend kontrolliert, zusätzlich Bedarfsmedikation
Apotheker/inWelche Tropfen sind das, und wie oft braucht er sie?
Kundin/KundeMorphintropfen. Ein- bis zweimal am Tag.
Begleitmedikation — Morphin-Tropfen als Bedarfsmedikation, 1–2 × täglich
Die Bedarfsmedikation neben dem Pflaster ist der Normalfall. Ihre Häufigkeit sagt, ob die Basisdosis passt — mehr als viermal täglich spricht für eine Anpassung.
Apotheker/inNimmt er sonst noch Medikamente?
Kundin/KundePantoprazol, ein Mittel gegen Verstopfung, und abends etwas zum Schlafen. Tavor, glaube ich.
Begleitmedikation — Pantoprazol, Laxans, Lorazepam zur Nacht
Lorazepam neben einem Opioid ist eine Kombination mit erhöhtem Risiko für Atemdepression. Halten Sie sie fest — sie kommt später wieder.
Apotheker/inWie ist es mit dem Stuhlgang? Opioide führen fast immer zu Verstopfung.
Kundin/KundeDas Mittel dafür hat der Arzt gegeben, das klappt.
Verträglichkeit — Obstipationsprophylaxe vorhanden und wirksam
Die Obstipation ist die einzige Opioid-Nebenwirkung, an die sich der Körper nicht gewöhnt. Nach der Prophylaxe zu fragen gehört zu jeder Opioid-Beratung.
Apotheker/inSind Allergien bekannt?
Kundin/KundeNein, keine.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inUnd trinkt Ihr Mann Alkohol?
Kundin/KundeFrüher gern ein Bier. Jetzt nicht mehr.
Genussmittel — kein Alkoholkonsum mehr; Nichtraucher
Alkohol verstärkt die dämpfende Wirkung des Opioids auf die Atmung. Die Frage ist bei Opioiden keine Höflichkeitsfrage.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Fentanyl-ratiopharm 25 Mikrogramm/h Matrixpflaster
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
transdermal
Dosierung
1 Pflaster alle 72 Stunden; am Ereignistag regulär beklebt
Dauer der Anwendung
seit etwa sechs Monaten, laufend
Indikation
starke chronische Tumorschmerzen bei Wirbelsäulenbefall
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Morphin-Tropfen 1–2 × täglich bei Bedarf; Lorazepam 0,5 mg zur Nacht; Pantoprazol; Laxans zur Obstipationsprophylaxe
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu einer wärmebedingten Überdosierung unter einem Fentanylpflaster. Es ist glimpflich ausgegangen, aber es war knapp, und die Angehörige kannte die Warnzeichen nicht.

„Es war knapp“ gehört gesagt. Ein Fall, der gut ausging, ist deshalb noch kein harmloser Fall.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Warum darf ein Fentanylpflaster keiner Wärme ausgesetzt werden?

Wärme steigert die Hautdurchblutung und damit die Aufnahme des Wirkstoffs aus dem Depot. Die Konzentration im Blut steigt unkontrolliert an, mit dem Risiko von Sedierung bis zur Atemdepression. Verboten sind Heizkissen, Wärmflaschen, Wärmelampen, Sauna, heiße Vollbäder, beheizte Wasserbetten und direkte Sonne. Auch Fieber wirkt so.

Der wichtigste Sicherheitshinweis dieses Präparats. Nennen Sie die Beispiele — die abstrakte Regel allein genügt nicht.
Warum wirkt das Pflaster erst nach Stunden und nach dem Entfernen noch lange nach?

Der Wirkstoff bildet in der Haut ein Depot, aus dem er allmählich ins Blut übergeht. Deshalb dauert es nach dem ersten Aufkleben etwa zwölf Stunden, bis eine wirksame Konzentration erreicht ist. Umgekehrt leert sich das Depot nach dem Entfernen nur langsam: Die Halbwertszeit liegt bei etwa 17 bis 24 Stunden, die Wirkung hält also rund einen Tag an.

Aus dieser einen Erklärung folgen fast alle übrigen Hinweise. Wer sie sicher gibt, hat das Präparat verstanden.
Was sind die Warnzeichen einer Opioid-Überdosierung, und was ist zu tun?

Ausgeprägte Schläfrigkeit, schwere Erweckbarkeit, Verwirrtheit, verlangsamte oder flache Atmung, blaue Lippen, stecknadelkopfgroße Pupillen. Dann gilt: Pflaster entfernen und Notruf 112. Beides zusammen — das Entfernen allein wirkt wegen des Hautdepots nicht schnell genug.

Zwei Handlungen, nicht eine. Wer nur den Notruf nennt, bekommt hier Abzug.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
Opioidstark wirksames Schmerzmittel
AnalgetikumSchmerzmittel
BetäubungsmittelArzneistoff, der besonderen gesetzlichen Regeln unterliegt
transdermalüber die Haut in den Körper
MatrixpflasterPflaster, in dessen Klebeschicht der Wirkstoff gelöst ist
ResorptionAufnahme des Wirkstoffs in den Körper
DepotVorrat des Wirkstoffs, aus dem er nach und nach abgegeben wird
HalbwertszeitZeit, in der die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut ist
Atemdepressiongefährlich verlangsamte und flache Atmung
Somnolenzauffällige Schläfrigkeit
SedierungBeruhigung, Müdigkeit
ZyanoseBlaufärbung von Lippen und Haut
Miosisstecknadelkopfgroße Pupillen
ObstipationVerstopfung
LaxansAbführmittel
BenzodiazepinBeruhigungsmittel, das auch die Atmung dämpft
ToleranzGewöhnung, die Wirkung lässt nach
Opioidgewöhnungder Körper ist an Opioide gewöhnt
BedarfsmedikationArzneimittel, das nur bei Beschwerden angewendet wird
DurchbruchschmerzSchmerzspitze trotz laufender Dauerbehandlung

Aussprache

BetonungHinweis
Fen·ta·NYLDas y wird ü: „Fen-ta-nül“.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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