Apotheker-Prüfungen

Fall: Ibuprofen 400 mg

Die unerwünschte Wirkung: Magenschmerzen und schwarzer Stuhl nach längerer Einnahme — nach etwa drei Wochen täglicher Einnahme, Dauer etwa zwei Wochen, nach ärztlicher Behandlung erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich brauche Ibuprofen 400, am besten die große Packung.
„Die große Packung“ ist ein Signal. Notieren Sie es innerlich — es wird das Gespräch bestimmen.
Apotheker/inIst das Mittel für Sie selbst?
Kundin/KundeJa.
Für wen — Patient selbst
Apotheker/inBevor ich Ihnen die Packung gebe, würde ich Ihnen ein paar Fragen stellen. Ist das recht?
Kundin/KundeWenn es sein muss. Ich habe es eilig.
Ungeduld gehört zur Prüfung. Nicht schneller werden, sondern kürzer: Fragen Sie nur, was Sie wirklich brauchen, und sagen Sie warum.

Anamnese

Apotheker/inWogegen brauchen Sie das Ibuprofen?
Kundin/KundeRückenschmerzen. Unten, seit Wochen.
Beschwerden — Rückenschmerzen im unteren Rücken
Apotheker/inSeit wann genau, und wie oft nehmen Sie schon etwas dagegen?
Kundin/KundeBestimmt seit einem Monat. Ich nehme jeden Tag zwei bis drei Tabletten.
Dauer und Vorbehandlung — seit etwa 4 Wochen, täglich 2–3 Tabletten à 400 mg
Hier kippt der Fall. Vier Wochen tägliche Einnahme ohne Arzt ist keine Selbstmedikation mehr. Fragen Sie ruhig weiter, statt sofort zu reagieren.
Apotheker/inWaren Sie damit schon beim Arzt?
Kundin/KundeNein. Wozu, es hilft ja.
Ärztliche Abklärung — bisher nicht erfolgt
Apotheker/inStrahlen die Schmerzen ins Bein aus, oder haben Sie Taubheitsgefühle?
Kundin/KundeNein, nichts davon.
Alarmsymptome Rücken — keine Ausstrahlung, keine Taubheit
Ausstrahlung, Taubheit, Lähmung, Blasenstörung — das sind die Zeichen, bei denen der Rücken sofort zum Arzt gehört.
Apotheker/inSind bei Ihnen Magenprobleme bekannt, etwa Sodbrennen oder ein Magengeschwür?
Kundin/KundeSodbrennen ab und zu. Geschwür nicht.
Magen — gelegentliches Sodbrennen, kein bekanntes Ulkus
Bei einem NSAR ist das die wichtigste Frage. Sodbrennen ist bereits ein Warnsignal.
Apotheker/inSind Bluthochdruck, Herz- oder Nierenerkrankungen bekannt?
Kundin/KundeBlutdruck, ja. Dafür nehme ich eine Tablette.
Vorerkrankungen — arterielle Hypertonie, behandelt
Hypertonie und NSAR vertragen sich schlecht: Ibuprofen hebt den Blutdruck und schwächt viele Antihypertensiva.
Apotheker/inWelche ist das genau? Wissen Sie den Namen?
Kundin/KundeRamipril, 5 Milligramm. Und eine Wassertablette ist wohl auch drin.
Begleitmedikation — Ramipril 5 mg, dazu vermutlich ein Diuretikum
Fragen Sie den Namen nach, nicht nur „nehmen Sie etwas“. Ramipril plus Diuretikum plus Ibuprofen ist eine Kombination mit eigenem Namen — und die müssen Sie erkennen.
Apotheker/inNehmen Sie noch etwas anderes, auch Schmerzmittel oder ASS?
Kundin/KundeManchmal Aspirin, wenn der Kopf weh tut.
Begleitmedikation — gelegentlich ASS
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten gegen Schmerzmittel?
Kundin/KundeNicht dass ich wüsste.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inRauchen Sie, und trinken Sie Alkohol?
Kundin/KundeRauchen nicht mehr. Abends zwei Bier, das gebe ich zu.
Genussmittel — Nichtraucher seit Jahren, täglich etwa 2 Gläser Bier
Alkohol erhöht das Blutungsrisiko unter NSAR zusätzlich. Die Angabe gehört später auf den Bogen.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Ibuprofen 400 mg Filmtabletten; Präparat nicht mehr erinnerlich
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
nach Angabe des Patienten 2–3 Tabletten (800–1200 mg) täglich
Dauer der Anwendung
etwa drei Wochen im Frühjahr 2024
Indikation
Schulterschmerzen
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Ramipril 5 mg 1 × täglich; zusätzlich ein Diuretikum, Präparat nicht bekannt; gelegentlich ASS bei Kopfschmerzen
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe hier einen Fall, bei dem ich die Abgabe abgelehnt habe, und dazu einen AMK-Bogen. Es geht um eine gastrointestinale Blutung unter Ibuprofen — allerdings eine, die zwei Jahre zurückliegt und erst jetzt zur Sprache kam.

Sagen Sie gleich, dass das Ereignis zurückliegt. Sonst hört Ihre Kollegin von einem akuten Notfall.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie erklären Sie einem Patienten, warum Ibuprofen auf den Magen geht?

Ibuprofen bremst die Bildung von Botenstoffen, die Schmerz und Entzündung auslösen. Dieselben Botenstoffe schützen aber die Magenschleimhaut. Wird weniger davon gebildet, ist der Magen schlechter geschützt — deshalb Sodbrennen, Bauchschmerzen und im schlimmsten Fall ein Geschwür.

Ein Satz, der Hauptwirkung und Nebenwirkung verbindet. Das ist die Antwort, die Prüfer hören wollen — ohne das Wort „Prostaglandin“ im Patientengespräch.
Wie lange darf Ibuprofen ohne Arzt genommen werden?

Gegen Schmerzen höchstens vier Tage, gegen Fieber höchstens drei Tage. Die Tageshöchstdosis in der Selbstmedikation liegt bei 1200 mg. Bleiben die Beschwerden länger bestehen oder verschlimmern sie sich, gehört der Patient zum Arzt.

Zahlen, keine Umschreibungen. Diese drei Werte werden fast immer gefragt.
Was sind die Warnzeichen einer Magenblutung?

Schwarzer Stuhl (Meläna), Bluterbrechen (Hämatemesis), zunehmende Magenschmerzen, Blässe, Schwäche und Schwindel. Wichtig ist der Hinweis, dass eine Blutung auch ohne Schmerzen verlaufen kann — deshalb ist der schwarze Stuhl oft das erste Zeichen.

Der Zusatz „auch ohne Schmerzen“ ist es, der den Patienten aufmerksam macht. Lassen Sie ihn nicht weg.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
Melänaschwarzer Stuhl, Teerstuhl
HämatemesisBluterbrechen
Ulcus ventriculiMagengeschwür
Ulcus duodeniZwölffingerdarmgeschwür
epigastrischin der Magengegend, oberhalb des Nabels
GastritisMagenschleimhautentzündung
PerforationDurchbruch der Wand eines Hohlorgans
ÖsophagogastroduodenoskopieMagenspiegelung
EndoskopieSpiegelung mit einem Schlauch und einer Kamera
Ulkusanamnesefrühere Geschwüre in der Vorgeschichte
NSARentzündungshemmendes Schmerzmittel ohne Kortison
AnalgetikumSchmerzmittel
Antiphlogistikumentzündungshemmendes Mittel
Prostaglandinekörpereigene Botenstoffe für Schmerz, Entzündung und Magenschutz
ACE-HemmerMittel gegen Bluthochdruck
Diuretikumharntreibendes Mittel, Wassertablette
arterielle HypertonieBluthochdruck
NephrotoxizitätSchädigung der Nieren
Reexpositionerneute Einnahme desselben Mittels
GegenanzeigeGrund, das Mittel nicht anzuwenden

Aussprache

BetonungHinweis
I·bu·PRO·fenBetonung auf -pro-, nicht auf der ersten Silbe wie im Englischen.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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