Apotheker-Prüfungen

Fall: L-Thyroxin 100 µg

Die unerwünschte Wirkung: Herzrasen, Zittern und Schlaflosigkeit seit einigen Wochen — etwa zwei Wochen nach der Umstellung, Dauer seit etwa fünf Wochen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?
Kundin/KundeGuten Tag, ich habe ein Rezept für meine Schilddrüsentabletten.
Apotheker/inGern. L-Thyroxin 100 Mikrogramm — für Sie selbst?
Kundin/KundeJa. Ich hatte vorher 75, jetzt hat der Arzt auf 100 erhöht.
Für wen — Patientin selbst; Dosis von 75 auf 100 µg erhöht
Eine Dosisänderung ist immer ein Anlass, genauer zu fragen. Sie ist der häufigste Ausgangspunkt für Nebenwirkungen und für Verwechslungen.
Apotheker/inIch würde Ihnen dazu ein paar Fragen stellen wollen, dann kann ich Sie besser beraten.
Kundin/KundeJa, bitte.

Anamnese

Apotheker/inSeit wann nehmen Sie L-Thyroxin?
Kundin/KundeSeit sechs Jahren. Hashimoto, sagte der Arzt.
Vorerkrankung — Hashimoto-Thyreoiditis seit etwa 6 Jahren
Apotheker/inWann wurde die Dosis erhöht?
Kundin/KundeVor gut sieben Wochen. Der TSH-Wert war zu hoch.
Dosisänderung — vor etwa 7 Wochen von 75 auf 100 µg wegen erhöhtem TSH
Der Zeitpunkt der Umstellung ist die Bezugsgröße für alles, was die Patientin später berichtet. Fragen Sie ihn genau ab.
Apotheker/inIst seither schon wieder kontrolliert worden?
Kundin/KundeNein. Der nächste Termin ist erst in vier Wochen.
Kontrolle — nächste Laborkontrolle erst in 4 Wochen
Nach einer Umstellung wird üblicherweise nach sechs bis acht Wochen kontrolliert. Diese Angabe brauchen Sie gleich.
Apotheker/inNehmen Sie sonst noch Medikamente?
Kundin/KundeEisentabletten, seit drei Monaten. Und Kalzium mit Vitamin D, das nehme ich schon länger.
Begleitmedikation — Eisenpräparat seit 3 Monaten, Calcium mit Vitamin D
Eisen und Calcium sind bei L-Thyroxin die klassischen Störenfriede. Beide gehören sofort in den Blick — und beide erklären möglicherweise, warum der TSH gestiegen war.
Apotheker/inWann nehmen Sie die beiden?
Kundin/KundeMorgens, alles zusammen mit dem L-Thyroxin. Ist doch praktisch.
Anwendungsfehler — Eisen und Calcium zusammen mit L-Thyroxin eingenommen
Hier steht die Ursache des ganzen Falls. Reagieren Sie noch nicht — sammeln Sie erst die übrigen Angaben.
Apotheker/inNehmen Sie noch etwas anderes, auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzung?
Kundin/KundeNein, sonst nichts.
Begleitmedikation — sonst keine
Apotheker/inKönnten Sie schwanger sein, oder planen Sie eine Schwangerschaft?
Kundin/KundeNein, weder noch.
Schwangerschaft — verneint
Bei einer Frau im gebärfähigen Alter unter L-Thyroxin ist die Frage nicht nur Routine: In der Schwangerschaft steigt der Bedarf deutlich, und die Kontrollen werden engmaschiger.
Apotheker/inSind Herzerkrankungen bekannt?
Kundin/KundeNein, das Herz war immer in Ordnung.
Vorerkrankungen — keine bekannte Herzerkrankung
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten?
Kundin/KundeLaktose vertrage ich schlecht.
Unverträglichkeiten — Laktoseintoleranz
Die Laktoseintoleranz ist bei L-Thyroxin relevant: Manche Präparate enthalten Lactose als Hilfsstoff, andere nicht. Prüfen Sie das am abgegebenen Produkt.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
L-Thyroxin-ARISTO 100 Mikrogramm Tabletten (Levothyroxin-Natrium)
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
1 × täglich 1 Tablette morgens nüchtern, 30 Minuten vor dem Frühstück
Dauer der Anwendung
Levothyroxin seit etwa sechs Jahren, die Dosis von 100 µg seit etwa sieben Wochen
Indikation
Hypothyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Eisenpräparat seit etwa drei Monaten und Calcium mit Vitamin D, beide bislang gleichzeitig mit dem L-Thyroxin eingenommen
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu Überdosierungszeichen unter L-Thyroxin. Interessant ist die Vorgeschichte: Ich vermute, dass die Dosiserhöhung selbst auf einem Wechselwirkungsproblem beruhte.

Der zweite Satz macht aus einer Routinemeldung einen Fall, der es wert ist, besprochen zu werden. Sagen Sie ihn gleich.

In der App folgen: Die Patientin · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Warum wird L-Thyroxin nüchtern eingenommen?

Weil Nahrung die Aufnahme im Darm vermindert und schwankend macht. Nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück und mit Wasser, ist die Aufnahme gleichmäßig — und nur dann lässt sich die Dosis überhaupt sinnvoll einstellen. Kaffee, Milch und Saft vermindern sie ebenfalls.

Das Stichwort ist nicht nur „weniger“, sondern „schwankend“. Bei enger therapeutischer Breite ist die Gleichmäßigkeit das Entscheidende.
Welche Mittel dürfen nicht zusammen mit L-Thyroxin eingenommen werden?

Eisen- und calciumhaltige Präparate stehen an erster Stelle — sie binden den Wirkstoff im Darm. Ebenso Protonenpumpenhemmer, aluminium- oder magnesiumhaltige Antazida, Colestyramin und größere Mengen Sojaprodukte. Der empfohlene Abstand beträgt mindestens vier Stunden.

Die Vier-Stunden-Regel und die Aufzählung gehören zusammen. Beides wird oft in einer Frage abgeprüft.
Welche Nebenwirkungen hat L-Thyroxin?

Bei richtiger Dosierung praktisch keine — es ersetzt ein körpereigenes Hormon. Was auftritt, sind Zeichen der Überdosierung: Tachykardie, Herzrhythmusstörungen, Tremor, Unruhe, Schlaflosigkeit, Schwitzen, Wärmeintoleranz, Gewichtsabnahme und Durchfall. Umgekehrt zeigen Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme und Verstopfung eine zu niedrige Dosis an.

Beide Richtungen zu nennen ist die vollständige Antwort. Viele Kandidaten nennen nur die Überdosierung.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
HypothyreoseSchilddrüsenunterfunktion
HyperthyreoseSchilddrüsenüberfunktion
Hashimoto-Thyreoiditisdauerhafte Entzündung der Schilddrüse durch das eigene Abwehrsystem
StrumaKropf, vergrößerte Schilddrüse
TSHSteuerhormon der Schilddrüse aus der Hirnanhangdrüse
Levothyroxinnachgebautes Schilddrüsenhormon
SubstitutionErsatz eines fehlenden körpereigenen Stoffes
TachykardieHerzrasen
ArrhythmieHerzrhythmusstörung
TremorZittern
InsomnieSchlaflosigkeit
Hyperhidroseübermäßiges Schwitzen
WärmeintoleranzWärme wird schlecht vertragen
ResorptionAufnahme des Wirkstoffs in den Körper
therapeutische BreiteAbstand zwischen wirksamer und schädlicher Dosis
iatrogendurch die Behandlung verursacht
AntazidumMittel, das die Magensäure bindet
ColestyraminMittel, das Gallensäuren im Darm bindet
LaktoseintoleranzMilchzucker-Unverträglichkeit
HilfsstoffBestandteil einer Tablette ohne eigene Wirkung

Aussprache

BetonungHinweis
Le·vo·thy·ro·XINth wird t, y wird ü: „Le-wo-tü-rok-sin“. Auf der Packung steht oft nur L-Thyroxin.
EL Thy·ro·XINDer Buchstabe L wird einzeln gesprochen: „El-Tü-rok-sin“.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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