Apotheker-Prüfungen

Fall: MCP-Tropfen 1 mg/ml

Die unerwünschte Wirkung: Verkrampfung von Hals und Zunge mit Blickkrampf — etwa sechs Stunden nach der ersten Einnahme, Dauer etwa zwei Stunden nach Behandlung, ohne Schaden erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich habe ein Rezept für Tropfen gegen Übelkeit. MCP.
Apotheker/inGern. Für Sie selbst?
Kundin/KundeJa.
Für wen — Patientin selbst
Apotheker/inBei diesen Tropfen gibt es einige Besonderheiten, die ich gern mit Ihnen durchgehe. Ist das recht?
Kundin/KundeJa, gern.
Bei Metoclopramid sind die Anwendungsgrenzen der wichtigste Beratungsinhalt. Kündigen Sie das an.

Anamnese

Apotheker/inWogegen hat der Arzt Ihnen die Tropfen verschrieben?
Kundin/KundeIch habe seit gestern Magen-Darm. Erbrechen und Durchfall.
Indikation — akute Gastroenteritis mit Erbrechen
Apotheker/inKönnen Sie etwas bei sich behalten?
Kundin/KundeWasser in kleinen Schlucken geht. Essen nicht.
Verlauf — Flüssigkeit in kleinen Mengen tolerabel
Ob Flüssigkeit bei sich behalten wird, entscheidet über die Gefahr der Austrocknung. Fragen Sie es ab.
Apotheker/inHaben Sie Fieber, oder ist Blut im Stuhl?
Kundin/KundeNein, beides nicht.
Alarmsymptome — kein Fieber, kein Blut im Stuhl
Apotheker/inIst Ihr Alter — darf ich fragen, wie alt Sie sind?
Kundin/KundeNeunzehn.
Alter — 19 Jahre
Das Alter ist bei Metoclopramid keine Formalie: Unter 18 Jahren ist es kontraindiziert, und junge Menschen tragen ein deutlich höheres Risiko für Bewegungsstörungen.
Apotheker/inNehmen Sie regelmäßig Medikamente?
Kundin/KundeDie Pille. Und seit einem halben Jahr Sertralin.
Begleitmedikation — kombiniertes orales Kontrazeptivum, Sertralin
Sertralin und Metoclopramid: Beides beeinflusst zentrale Botenstoffe. Halten Sie es fest — es kommt später wieder.
Apotheker/inSind neurologische Erkrankungen bekannt — Krampfanfälle, Bewegungsstörungen, Parkinson in der Familie?
Kundin/KundeNein, nichts.
Vorerkrankungen — keine neurologischen Erkrankungen bekannt
Bei Metoclopramid ist die neurologische Anamnese Pflicht: Epilepsie und Parkinson sind Gegenanzeigen.
Apotheker/inHaben Sie Allergien?
Kundin/KundeNein.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inKönnten Sie schwanger sein?
Kundin/KundeNein, sicher nicht.
Schwangerschaft — verneint
Apotheker/inUnd haben Sie MCP schon einmal genommen?
Kundin/KundeJa. Und das ist der Grund, warum ich ein bisschen Angst davor habe.
Vorerfahrung — frühere Einnahme mit belastender Erfahrung
Die Patientin kündigt den Fall selbst an. Bleiben Sie hier nicht stehen — arbeiten Sie erst die Anwendung ab, greifen Sie es aber ausdrücklich auf.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
metoclopramidhaltige Tropfen aus dem Bestand der Mutter; ältere Zubereitung mit Tropfeinsatz, Präparat und Konzentration nicht sicher rekonstruierbar
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
nach Angabe der Patientin etwa 30 Tropfen; die tatsächliche Wirkstoffmenge ist wegen der unbekannten Konzentration nicht sicher zu bestimmen
Dauer der Anwendung
einmalige Einnahme im Jahr 2023
Indikation
Übelkeit und Erbrechen bei akuter Gastroenteritis
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
zum Zeitpunkt des Ereignisses keine Dauermedikation; heute kombiniertes orales Kontrazeptivum und Sertralin seit etwa sechs Monaten
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe eine Verordnung über MCP-Tropfen nicht abgegeben und rufe in der Praxis an. Die Patientin hatte als Sechzehnjährige eine akute Dystonie unter Metoclopramid — und nimmt inzwischen zusätzlich Sertralin.

Zwei Gründe für die Nichtabgabe, beide im ersten Satz. Ihre Kollegin kann die Entscheidung damit sofort nachvollziehen.

In der App folgen: Die Patientin · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie wirkt Metoclopramid?

An zwei Orten. Zentral blockiert es Dopaminrezeptoren im Brechzentrum und dämpft so die Übelkeit. Peripher wirkt es prokinetisch: Es beschleunigt die Magenentleerung und den Transport im oberen Verdauungstrakt. Die zentrale Dopaminblockade ist zugleich die Ursache der gefürchteten extrapyramidalen Störungen.

Wirkung und Nebenwirkung aus demselben Mechanismus herzuleiten ist die elegante Antwort.
Was ist eine extrapyramidale Störung, und wie äußert sie sich?

Eine Bewegungsstörung durch die Blockade von Dopaminrezeptoren im Gehirn. Akut zeigt sie sich als Dystonie: unwillkürliche Verkrampfung von Hals — Torticollis —, Zunge und Kiefer, erschwertes Sprechen und Schlucken, und als okulogyre Krise, bei der sich die Augen nach oben verdrehen. Sie tritt meist in den ersten Stunden bis Tagen auf und ist bei jungen Menschen und Frauen deutlich häufiger.

Die Symptome anschaulich zu beschreiben ist wichtiger als der Fachbegriff. Der Patient muss sie wiedererkennen können.
Was tun Sie bei einer akuten Dystonie unter Metoclopramid?

Sofort absetzen und umgehend ärztliche Hilfe — Notaufnahme oder Notruf. Behandelt wird mit einem Anticholinergikum, in Deutschland üblicherweise Biperiden als Injektion; die Symptome bilden sich dann innerhalb von Minuten zurück. Der Zustand ist erschreckend, aber gut behandelbar und in aller Regel folgenlos.

Beruhigen und handeln zugleich. Beides gehört in die Antwort.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
AntiemetikumMittel gegen Übelkeit und Erbrechen
ProkinetikumMittel, das die Magen-Darm-Bewegung anregt
EmesisErbrechen
NauseaÜbelkeit
GastroenteritisMagen-Darm-Entzündung
ExsikkoseAustrocknung
RehydratationWiederauffüllen des Flüssigkeitshaushalts
DopaminrezeptorAndockstelle für den Botenstoff Dopamin
extrapyramidale StörungBewegungsstörung durch Blockade von Dopaminrezeptoren
Dystonieunwillkürliche Muskelverkrampfung
TorticollisSchiefhals durch Verkrampfung
okulogyre KriseBlickkrampf mit nach oben verdrehten Augen
Spätdyskinesiespäte, oft bleibende Bewegungsstörung
Akathisiequälende innere Unruhe mit Bewegungsdrang
BiperidenGegenmittel bei akuten Bewegungsstörungen
Somnolenzauffällige Schläfrigkeit
CYP2D6Leberenzym, das viele Arzneistoffe abbaut
Serotonin-Syndromgefährliche Überflutung mit Serotonin
ZweitlinientherapieBehandlung, die erst nach dem Versagen der ersten Wahl in Betracht kommt
DosierpumpePumpe, die je Hub eine feste Menge abgibt

Aussprache

BetonungHinweis
Me·to·clo·pra·MIDFünf Silben. Im Alltag sagt man „MCP“, im Prüfungsgespräch den vollen Namen.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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