Apotheker-Prüfungen

Fall: Omeprazol 20 mg

Die unerwünschte Wirkung: Starker Juckreiz am Rücken bei der letzten Anwendung — etwa drei Tage nach Beginn der Einnahme, Dauer etwa fünf Tage, ohne Schaden erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich hätte gern etwas gegen Sodbrennen. Am besten dieses Omeprazol, das habe ich schon einmal genommen.
Offen beginnen, nicht mit einer Ja-Nein-Frage. „Was kann ich für Sie tun?“ lässt den Patienten sein Anliegen selbst formulieren — und genau darauf hört das Bewertungsgremium.
Apotheker/inGern. Ist das Arzneimittel für Sie selbst oder für jemand anderen?
Kundin/KundeFür mich selbst.
Für wen — Patient selbst
Diese Frage steht am Anfang jeder Abgabe. Für ein Kind, eine Schwangere oder einen älteren Menschen gelten andere Grenzen der Selbstmedikation.
Apotheker/inIch helfe Ihnen gern weiter. Um Sie gut beraten zu können, möchte ich Ihnen einige Fragen stellen. Ist Ihnen das recht?
Kundin/KundeJa, natürlich.
Die Ankündigung nimmt der Fragerei das Verhörhafte. Sie kostet fünf Sekunden und trägt das ganze Gespräch.

Anamnese

Apotheker/inWelche Beschwerden haben Sie genau?
Kundin/KundeSo ein Brennen hinter dem Brustbein, und manchmal kommt saures Zeug hoch.
Beschwerden — Brennen hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen
Der Patient beschreibt das Sodbrennen in Alltagssprache. Übernehmen Sie seine Worte, statt ihm „Pyrosis“ anzubieten.
Apotheker/inSeit wann haben Sie diese Beschwerden?
Kundin/KundeSeit ungefähr drei Tagen.
Dauer — seit etwa 3 Tagen
Die Dauer entscheidet über die Selbstmedikation: Länger als zwei Wochen gehört das Sodbrennen in ärztliche Hände.
Apotheker/inWann treten die Beschwerden auf? Gibt es bestimmte Auslöser?
Kundin/KundeVor allem nachts, wenn ich liege. Und nach dem Essen, wenn es fettig war.
Auslöser — nachts im Liegen, nach fettreichen Mahlzeiten
Nächtliche Beschwerden im Liegen sind typisch für den Rückfluss. Diese Angabe brauchen Sie später für den Hinweis auf das erhöhte Kopfteil.
Apotheker/inHaben Sie noch andere Beschwerden? Etwa Schluckstörungen, Erbrechen, schwarzen Stuhl oder haben Sie ungewollt abgenommen?
Kundin/KundeNein, nichts davon.
Alarmsymptome — verneint
Das ist die wichtigste Frage des ganzen Gesprächs. Alarmsymptome schließen die Selbstmedikation aus. Fragen Sie sie in Alltagssprache ab — „schwarzer Stuhl“, nicht „Melaena“.
Apotheker/inSind bei Ihnen andere Erkrankungen bekannt?
Kundin/KundeNein, ich bin eigentlich gesund.
Vorerkrankungen — keine bekannt
Apotheker/inNehmen Sie regelmäßig oder bei Bedarf andere Arzneimittel ein? Auch pflanzliche Mittel oder Nahrungsergänzungsmittel?
Kundin/KundeJa, Johanniskraut. Das nehme ich seit einem halben Jahr, weil ich etwas gedrückt war.
Begleitmedikation — Johanniskraut-Trockenextrakt, seit etwa 6 Monaten
Ohne die ausdrückliche Nachfrage nach pflanzlichen Mitteln bleibt Johanniskraut unerwähnt — Patienten zählen es nicht zu den „Medikamenten“. Genau diese Nachfrage rettet hier die Beratung.
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten gegen Arzneimittel oder Nahrungsmittel?
Kundin/KundeNicht dass ich wüsste.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inRauchen Sie, und trinken Sie Alkohol?
Kundin/KundeRauchen nein. Ein, zwei Bier in der Woche, mehr nicht.
Genussmittel — Nichtraucher, 1–2 Gläser Bier pro Woche
Beides fördert den Rückfluss und gehört später auf den AMK-Bogen. Fragen Sie ohne Wertung.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Omeprazol Heumann 20 mg bei Sodbrennen, magensaftresistente Hartkapseln
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
1 × täglich 1 Kapsel morgens vor dem Frühstück
Dauer der Anwendung
etwa zehn Tage im Mai 2026
Indikation
Sodbrennen und saures Aufstoßen
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Johanniskraut-Trockenextrakt, 1 × täglich oral, seit etwa sechs Monaten, bei gedrückter Stimmung
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Du, ich habe hier einen Fall, den ich gern mit dir durchgehen würde. Es geht um eine Nebenwirkung, die mir ein Patient gerade berichtet hat — ich habe dazu schon einen AMK-Bogen ausgefüllt.

Ein Satz zum Einstieg, der sagt, worum es geht. Die Kollegin soll wissen, ob sie zuhören oder handeln muss.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Was ist die AMK, und wozu dient der Berichtsbogen?

Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker ist der Fachausschuss der ABDA für Pharmakovigilanz. Der Berichtsbogen dient dazu, Verdachtsfälle unerwünschter Arzneimittelwirkungen und Qualitätsmängel zu melden. Aus diesen Meldungen werden Arzneimittelrisiken erkannt, die bei der Zulassung noch nicht bekannt waren, und Maßnahmen zum Schutz der Patienten abgeleitet.

Zwei Sätze reichen. Die Prüfer hören auf die Begriffe Pharmakovigilanz und Verdachtsfall.
Sind Sie verpflichtet, diese Nebenwirkung zu melden?

Ja. Apothekerinnen und Apotheker sind durch ihre Berufsordnung verpflichtet, Arzneimittelrisiken unverzüglich an die AMK zu melden. Grundsätzlich soll jede unerwünschte Arzneimittelwirkung gemeldet werden, nicht nur die schwere oder die unbekannte.

Wie und wohin melden Sie?

Vorzugsweise über das Online-Formular der AMK. Alternativ gibt es PDF-Formulare, die per Post, Fax oder E-Mail übermittelt werden können. Es gibt zwei Bögen: einen für unerwünschte Arzneimittelwirkungen und einen für Qualitätsmängel.

Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
PyrosisSodbrennen
PruritusJuckreiz
ExanthemHautausschlag
UrtikariaNesselsucht
DysphagieSchluckstörung
HämatemesisBluterbrechen
Melänaschwarzer Stuhl, Teerstuhl
NauseaÜbelkeit
ObstipationVerstopfung
FlatulenzBlähungen
RefluxösophagitisEntzündung der Speiseröhre durch aufsteigende Magensäure
ProtonenpumpenhemmerMittel, das die Magensäure drosselt
magensaftresistentlöst sich erst im Darm auf, nicht im Magen
EnzyminduktionAnregung der abbauenden Enzyme, das Mittel wirkt schwächer
InteraktionWechselwirkung
KontraindikationGegenanzeige, Grund, das Mittel nicht anzuwenden
unerwünschte ArzneimittelwirkungNebenwirkung
PharmakovigilanzÜberwachung der Arzneimittelsicherheit
Reexpositionerneute Einnahme desselben Mittels
nüchternmit leerem Magen, vor dem Essen
ChargenbezeichnungNummer des Herstellungsloses
AntazidumMittel, das die Magensäure bindet

Aussprache

BetonungHinweis
O·me·pra·ZOLDas z wie in „Zoll“, nicht wie englisch s. Betonung auf der letzten Silbe.
Jo·HAN·nis·krautDer Wechselwirkungspartner aus dem Omeprazol-Fall. Lateinisch: Hypericum.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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