Apotheker-Prüfungen

Fall: Metformin 1000 mg

Die unerwünschte Wirkung: Anhaltender Durchfall und Bauchkrämpfe seit Erhöhung der Dosis — wenige Tage nach der Dosiserhöhung, Dauer seit etwa drei Wochen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich habe ein neues Rezept, die Zuckertabletten. Der Arzt hat die Menge erhöht.
„Die Menge erhöht“ ist der Schlüssel des Falls. Notieren Sie ihn und kommen Sie später darauf zurück.
Apotheker/inGern. Auf dem Rezept steht Metformin 1000 Milligramm. Ist es für Sie?
Kundin/KundeJa, für mich.
Für wen — Patientin selbst
Apotheker/inDamit ich Sie gut beraten kann, hätte ich einige Fragen. Ist Ihnen das recht?
Kundin/KundeJa, fragen Sie ruhig.

Anamnese

Apotheker/inSeit wann nehmen Sie Metformin?
Kundin/KundeSeit zwei Jahren. Erst 500, dann 850, und jetzt soll ich 1000 nehmen, zweimal am Tag.
Vorerfahrung — Metformin seit 2 Jahren, stufenweise gesteigert auf 2 × 1000 mg
Die Aufdosierung in Stufen ist bei Metformin Absicht: Sie schont den Magen-Darm-Trakt. Der Verlauf sagt Ihnen, wo die Patientin steht.
Apotheker/inWissen Sie, wie Ihr Langzeitwert zuletzt war?
Kundin/KundeDer Arzt sagte 8,1. Zu hoch, deshalb die Erhöhung.
Stoffwechsellage — HbA1c zuletzt 8,1 %, deshalb Dosiserhöhung
Nach dem Langzeitwert zu fragen zeigt, dass Sie die Therapie mitdenken. Er ist kein Geheimnis — die meisten Patienten kennen ihn.
Apotheker/inSind bei Ihnen weitere Erkrankungen bekannt, besonders an Nieren, Leber oder Herz?
Kundin/KundeDie Niere sei etwas schwach, sagte er. Aber nicht schlimm.
Vorerkrankungen — eingeschränkte Nierenfunktion, Ausmaß der Patientin nicht bekannt
Bei Metformin ist die Nierenfunktion die entscheidende Angabe. Fragen Sie nach, auch wenn die Antwort vage bleibt — die Vagheit selbst ist ein Befund.
Apotheker/inWissen Sie, ob der Arzt einen Nierenwert bestimmt hat? Manchmal steht eine Zahl im Befund, die eGFR.
Kundin/KundeIch glaube 52 oder so. Ich habe den Zettel dabei — hier.
Nierenfunktion — eGFR 52 ml/min laut mitgebrachtem Laborbefund
Wenn ein Befund vorliegt, schauen Sie hinein. Bei einer eGFR zwischen 45 und 59 ist Metformin möglich, die Dosis aber zu begrenzen — das gehört später ins Gespräch mit dem Arzt.
Apotheker/inWelche Medikamente nehmen Sie sonst noch?
Kundin/KundeRamipril für den Blutdruck, Simvastatin abends, und Pantoprazol für den Magen.
Begleitmedikation — Ramipril, Simvastatin, Pantoprazol
Apotheker/inNehmen Sie gelegentlich Schmerzmittel?
Kundin/KundeIbuprofen, wenn die Knie weh tun. Zwei-, dreimal die Woche.
Begleitmedikation — Ibuprofen 2–3 × wöchentlich bei Kniebeschwerden
Ibuprofen zusammen mit Ramipril und einer eingeschränkten Niere ist hier ein eigenes Thema. Fragen Sie danach, auch wenn kein Rezept vorliegt.
Apotheker/inHaben Sie Allergien oder Unverträglichkeiten?
Kundin/KundeNein.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inTrinken Sie Alkohol, und rauchen Sie?
Kundin/KundeAlkohol nie. Geraucht habe ich nie.
Genussmittel — Nichtraucherin, kein Alkoholkonsum
Bei Metformin ist die Alkoholfrage keine Formalität: Alkohol erhöht das Risiko der Laktatazidose deutlich.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Metformin STADA 1000 mg Filmtabletten
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
2 × täglich 1 Tablette (2000 mg); Einnahme nach Angabe der Patientin nüchtern statt zum Essen
Dauer der Anwendung
Metformin seit etwa zwei Jahren, die aktuelle Dosis seit etwa drei Wochen
Indikation
Diabetes mellitus Typ 2
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Ramipril 1 × täglich; Simvastatin abends; Pantoprazol morgens nüchtern; Ibuprofen 2–3 × wöchentlich bei Kniebeschwerden
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen AMK-Bogen zu einer anhaltenden Diarrhö unter Metformin und möchte deswegen in der Hausarztpraxis anrufen. Es kommen ein Anwendungsfehler und eine eingeschränkte Nierenfunktion zusammen.

Zwei Sachverhalte in einem Satz. Ihre Kollegin weiß dann sofort, dass es nicht nur um Verträglichkeit geht.

In der App folgen: Die Patientin · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie erklären Sie einer Patientin die Wirkung von Metformin?

Metformin sorgt dafür, dass die Leber weniger Zucker ins Blut abgibt, und es hilft dem Körper, wieder besser auf sein eigenes Insulin anzusprechen. Es ist selbst kein Insulin, und allein genommen löst es keine Unterzuckerung aus.

Der Zusatz zur Unterzuckerung gehört dazu: Er beruhigt und unterscheidet Metformin von den Sulfonylharnstoffen.
Warum muss Metformin zum Essen genommen werden?

Weil die gastrointestinalen Nebenwirkungen — Durchfall, Übelkeit, Bauchschmerzen — nüchtern deutlich stärker ausfallen. Die Fachinformation empfiehlt die Einnahme während oder nach der Mahlzeit ausdrücklich. Zusammen mit einer einschleichenden Dosierung ist das die wirksamste Maßnahme für die Verträglichkeit.

Die häufigste Frage zu diesem Wirkstoff. Nennen Sie beide Maßnahmen — Einnahmezeitpunkt und Aufdosierung.
Was ist eine Laktatazidose, und woran erkennt man sie?

Eine Übersäuerung des Blutes durch angehäufte Milchsäure. Sie ist sehr selten, aber lebensbedrohlich. Zeichen sind Muskelschmerzen, vertiefte und beschleunigte Atmung, Bauchschmerzen, starke Schwäche, Frieren und Übelkeit. Begünstigt wird sie durch eingeschränkte Nierenfunktion, Flüssigkeitsmangel, Alkohol und schwere Erkrankungen. Beim Verdacht gehört der Patient sofort in die Klinik.

Nennen Sie die Häufigkeit mit — „sehr selten“ verhindert, dass Patienten aus Angst absetzen.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
Diabetes mellitus Typ 2Zuckerkrankheit des Erwachsenenalters
HyperglykämieÜberzuckerung
HypoglykämieUnterzuckerung
HbA1cLangzeitwert des Blutzuckers
Insulinresistenzverminderte Wirkung des eigenen Insulins
BiguanidWirkstoffgruppe des Metformins
AntidiabetikumMittel gegen Zuckerkrankheit
LaktatazidoseÜbersäuerung des Blutes durch Milchsäure
eGFRgeschätzter Nierenwert, wie viel die Niere filtert
NiereninsuffizienzNierenschwäche
NephrotoxizitätSchädigung der Nieren
DiarrhöDurchfall
DehydratationAustrocknung durch Flüssigkeitsverlust
abdominellden Bauch betreffend
gastrointestinalMagen und Darm betreffend
KontraindikationGegenanzeige
KontrastmittelFlüssigkeit, die bei Röntgenaufnahmen sichtbar macht
RetardformForm, die den Wirkstoff langsam über Stunden abgibt
GonarthroseVerschleiß des Kniegelenks
PolyneuropathieNervenschädigung mit Kribbeln in Händen und Füßen

Aussprache

BetonungHinweis
Met·for·MINBetonung auf der letzten Silbe mit langem i.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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