Apotheker-Prüfungen

Fall: Rosuvastatin 20 mg

Die unerwünschte Wirkung: Zunehmende Muskelschmerzen und dunkler Urin nach Dosiserhöhung — etwa zwei Wochen nach der Dosiserhöhung, Dauer seit etwa zehn Tagen anhaltend, noch nicht erholt.

Teil 1: Beratungsgespräch

Begrüßung und Anliegen

Apotheker/inGuten Tag, was kann ich für Sie tun?
Kundin/KundeGuten Tag. Ich brauche mein Cholesterinmittel. Und ich wollte fragen, ob das von den Tabletten kommen kann — mir tun seit Wochen die Beine weh.
Der Patient bringt die Frage von sich aus. Das ist selten und wertvoll — nehmen Sie sie sofort ernst.
Apotheker/inDas kann durchaus sein, und ich gehe das gleich genau mit Ihnen durch. Rosuvastatin 20 Milligramm — für Sie selbst?
Kundin/KundeJa.
Für wen — Patient selbst
Apotheker/inIch stelle Ihnen erst ein paar Fragen, damit ich das richtig einordnen kann.
Kundin/KundeGern.

Anamnese

Apotheker/inWogegen nehmen Sie das Rosuvastatin?
Kundin/KundeDie Blutfette. Und ich hatte vor zwei Jahren einen Stent.
Indikation — Hyperlipidämie bei koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Stentimplantation
Nach einem Stent ist das Statin Sekundärprävention — kein Mittel, das man einfach weglässt. Das prägt die spätere Entscheidung.
Apotheker/inSeit wann nehmen Sie es, und wurde die Dosis geändert?
Kundin/KundeSeit zwei Jahren 10 Milligramm. Vor vier Wochen hat der Arzt auf 20 erhöht, weil der Wert noch zu hoch war.
Dosisänderung — vor etwa 4 Wochen von 10 mg auf 20 mg erhöht
Wieder eine Dosiserhöhung als Ausgangspunkt. Der zeitliche Bezug wird gleich entscheidend.
Apotheker/inKennen Sie Ihre Werte?
Kundin/KundeDas LDL war 105, es soll unter 70.
Befund — LDL-Cholesterin 105 mg/dl, Zielwert unter 70 mg/dl
Apotheker/inWelche Medikamente nehmen Sie sonst?
Kundin/KundeASS 100, Ramipril, Metoprolol. Und seit vier Wochen etwas Neues gegen die Blutfette dazu — Gemfibrozil, glaube ich.
Begleitmedikation — ASS 100 mg, Ramipril, Metoprolol; seit etwa 4 Wochen zusätzlich ein Fibrat
Hier liegt der Fall. Gemfibrozil und Rosuvastatin sind eine Kombination mit deutlich erhöhtem Muskelrisiko — halten Sie sie fest.
Apotheker/inDarf ich die Packung sehen? — Ja, Gemfibrozil 600 Milligramm, zweimal täglich. Wurde das zusammen mit der Erhöhung verordnet?
Kundin/KundeJa, beides beim selben Termin.
Begleitmedikation — Gemfibrozil 600 mg 2 × täglich, zeitgleich mit der Dosiserhöhung begonnen
Lassen Sie sich die Packung zeigen. Bei einer für den Fall entscheidenden Angabe genügt die Erinnerung nicht.
Apotheker/inNehmen Sie Nahrungsergänzungsmittel oder etwas aus der Apotheke?
Kundin/KundeMagnesium, wegen der Wadenkrämpfe. Und Vitamin D im Winter.
Begleitmedikation — Magnesium, Vitamin D
Das Magnesium ist eine Selbstbehandlung der Beschwerden — es zeigt, dass der Patient sie schon länger hat.
Apotheker/inSind Erkrankungen der Nieren, der Leber oder der Schilddrüse bekannt?
Kundin/KundeNein, nichts.
Vorerkrankungen — keine Nieren-, Leber- oder Schilddrüsenerkrankung bekannt
Eine unerkannte Schilddrüsenunterfunktion ist eine wichtige Differenzialdiagnose bei Muskelbeschwerden unter Statinen.
Apotheker/inHaben Sie Allergien?
Kundin/KundeNein.
Allergien — keine bekannt
Apotheker/inTrinken Sie Alkohol, und treiben Sie Sport?
Kundin/KundeEin, zwei Bier am Abend. Sport eigentlich nicht mehr, seit die Beine wehtun.
Genussmittel und Aktivität — etwa 1–2 Gläser Bier täglich; sportliche Aktivität wegen der Beschwerden eingestellt
Regelmäßiger Alkohol belastet die Leber und erhöht das Muskelrisiko unter Statinen. Und die aufgegebene Aktivität zeigt das Ausmaß der Beschwerden.
Weiter im Gespräch (in der App):

Teil 2: AMK-Bogen — Abschnitt „Arzneimittel“

Was Sie fragen, was ins Feld gehört und worauf es ankommt.

Arzneimittel 1 (Name/Konzentration/Darreichungsform)
Rosuvastatin Heumann 20 mg Filmtabletten
Name, Stärke und Darreichungsform gehören zusammen in dieses Feld — „Omeprazol“ allein reicht nicht.
PZN und Ch.-B.
Ohne Packung bleibt das Feld leer. Fragen Sie trotzdem danach: Die Chargenbezeichnung ist bei Qualitätsmängeln die wichtigste Angabe des ganzen Bogens.
Applikation
oral
Dosierung
1 × täglich 20 mg abends; zuvor zwei Jahre 10 mg täglich
Dauer der Anwendung
Rosuvastatin seit etwa zwei Jahren, die Dosis von 20 mg seit etwa vier Wochen
Indikation
Hyperlipidämie bei koronarer Herzkrankheit, Zustand nach Stentimplantation
Arzneimittel 2 (Begleitmedikation)
Gemfibrozil 600 mg 2 × täglich, zeitgleich mit der Dosiserhöhung vor etwa vier Wochen begonnen — Packung wurde vorgelegt; ASS 100 mg, Ramipril, Metoprolol; Magnesium und Vitamin D als Selbstmedikation
Die Begleitmedikation gehört auf den Bogen, auch wenn sie nicht verdächtig ist — die AMK bewertet den Zusammenhang, nicht die Apotheke.
Vermuteter Zusammenhang mit Arzneimittel Nummer
1 und 2 — vermutete Wechselwirkung zwischen Rosuvastatin und Gemfibrozil
Hier wird eine Nummer angekreuzt, keine Begründung geschrieben. Die Bewertung ist Sache der AMK.

In der App folgen alle Abschnitte: Patient/in · Beobachtete unerwünschte Wirkung · Krankheiten und andere anamnestische Besonderheiten · Relevante Untersuchungsergebnisse · Maßnahmen/Therapie · Folgen und Verlauf · Apotheke.

Teil 3: Gespräch mit der Kollegin

Anlass

Ich habe einen dringenden Fall: Verdacht auf Rhabdomyolyse unter Rosuvastatin in Kombination mit Gemfibrozil. Ich veranlasse noch heute eine Kreatinkinase und habe einen AMK-Bogen ausgefüllt.

„Dringend“ und „heute“ gehören in den ersten Satz. Dieser Fall verträgt keinen Aufschub.

In der App folgen: Der Patient · Das Arzneimittel · Die Nebenwirkung · Angaben aus der Fachinformation · Einordnung · Weiteres Vorgehen.

Prüferfragen

Wie wirkt ein Statin?

Es hemmt die HMG-CoA-Reduktase, das Schlüsselenzym der körpereigenen Cholesterinbildung in der Leber. Die Leberzelle bildet daraufhin mehr LDL-Rezeptoren und holt sich vermehrt Cholesterin aus dem Blut — der LDL-Wert sinkt. Über die Laborwerte hinaus stabilisiert das Statin die Ablagerungen in den Gefäßen; deshalb ist es nach einem Infarkt oder Stent Teil der Sekundärprävention.

Der Zusatz zur Plaquestabilisierung ist wichtig: Er erklärt, warum das Statin auch bei erreichtem Zielwert weiterläuft.
Welche Muskelbeschwerden können unter Statinen auftreten?

Ein Spektrum: von der Myalgie — Schmerzen und Steifigkeit ohne Enzymanstieg — über die Myopathie mit Muskelschwäche und erhöhter Kreatinkinase bis zur seltenen, aber gefährlichen Rhabdomyolyse mit massivem Muskelzerfall und drohendem akutem Nierenversagen. Typisch sind symmetrische Beschwerden in den großen, körpernahen Muskelgruppen — Oberschenkel, Schultergürtel.

Das Spektrum in drei Stufen darzustellen zeigt, dass Sie die Schweregrade unterscheiden können.
Woran erkennen Sie eine drohende Rhabdomyolyse?

An zunehmenden Muskelschmerzen, ausgeprägter Muskelschwäche, allgemeinem Krankheitsgefühl mit Fieber — und vor allem an dunklem, teefarbenem Urin. Der stammt vom Myoglobin, das aus zerfallenden Muskelzellen freigesetzt wird und die Nieren schädigen kann. Bei diesen Zeichen: sofort Kreatinkinase und Nierenwerte bestimmen lassen und das Statin nach ärztlicher Entscheidung pausieren.

Der teefarbene Urin ist das Zeichen, das den Notfall vom Beschwerdebild trennt. Fragen Sie im Gespräch aktiv danach.
Weitere Prüferfragen (Antworten in der App):

Fachbegriffe zu diesem Fall

FachspracheFür die Kundin
StatinMittel, das die Blutfette senkt
HMG-CoA-ReduktaseSchlüsselenzym der Cholesterinbildung
LDL-Cholesterindas ungünstige Cholesterin
HDL-Cholesterindas günstige Cholesterin
Hyperlipidämieerhöhte Blutfettwerte
ArterioskleroseGefäßverkalkung
PlaqueAblagerung in der Gefäßwand
StentGefäßstütze zur Offenhaltung eines Herzkranzgefäßes
SekundärpräventionVorbeugung eines erneuten Ereignisses
MyalgieMuskelschmerz
MyopathieMuskelerkrankung mit Schwäche und Enzymanstieg
RhabdomyolyseZerfall von Muskelgewebe
MyoglobinMuskeleiweiß, das den Urin dunkel färbt
KreatinkinaseBlutwert, der eine Muskelschädigung anzeigt
proximalkörpernah, z. B. Oberschenkel und Schultergürtel
TransaminasenLeberwerte im Blut
FibratMittel, das vor allem die Triglyzeride senkt
OATP1B1Transporteiweiß, das Arzneistoffe in die Leberzelle aufnimmt
Monacolin Kstatinähnlicher Stoff in Rotschimmelreis
akutes Nierenversagenplötzlicher Ausfall der Nierenfunktion

Aussprache

BetonungHinweis
Ro·su·va·sta·TINBetonung auf -tin, wie bei allen Statinen.
Gem·fi·BRO·zilHartes g, das z als ts: „Gem-fi-bro-zil“.

FSP Apotheker

Den ganzen Fall und 29 weitere gibt es in der App. 30 Arzneimittelfälle für die Fachsprachprüfung: Beratungsgespräch, AMK-Bogen Feld für Feld, Gespräch mit der Kollegin, Prüferfragen, Fachbegriffe und die Aussprache der Wirkstoffe. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.

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