Kenntnisprüfung Apotheker: Phytopharmaka und Naturstoffe
65 Fragen zu Phytopharmaka und Naturstoffe stehen in der App, jede mit ausformulierter Antwort zum Aufsagen. Drei davon hier vollständig.
Bei welcher Indikation wird die Mariendistel eingesetzt, und wie wirkt sie?
Mariendistelfrüchte enthalten das Flavonolignan-Gemisch Silymarin — Silibinin, Silychristin, Silydianin — mit ein bis drei Prozent. Die Indikation nach Kommission E und HMPC: toxische Leberschäden, die unterstützende Behandlung chronisch-entzündlicher Lebererkrankungen und der Leberzirrhose — als traditionelles Mittel zur Linderung von Verdauungsbeschwerden bei Leberstörung. Der Mechanismus: Silibinin stabilisiert die Membran der Leberzelle und blockiert die Aufnahme von Giften, wirkt antioxidativ als Radikalfänger, hemmt die Lipidperoxidation, regt die Proteinsynthese und die Regeneration an und hemmt die Fibrosebildung. Die Studienlage bei alkoholischer und viraler Hepatitis ist widersprüchlich — ein Nutzen auf harte Endpunkte ist nicht belegt.
Klar belegt ist die Wirkung in einem Fall: die Knollenblätterpilzvergiftung — Silibinin intravenös als Legalon SIL hemmt die Aufnahme des Amatoxins in die Leberzelle und ist neben Aktivkohle und Penicillin G das Antidot, gegeben innerhalb der ersten 48 Stunden. Oral wird Silymarin schlecht resorbiert; Präparate mit 200 bis 400 Milligramm Silymarin täglich, standardisiert, gut verträglich, selten Durchfall, leichte CYP-Hemmung. Für die Beratung: Mariendistel schadet nicht und kann bei Fettleber und nach Leberschäden begleitend genommen werden, aber sie ersetzt nicht den Alkoholverzicht, die Gewichtsabnahme und die Behandlung der Ursache — und der Pilzvergiftete braucht die Klinik, nicht die Kapsel. Für die Prüfung: Silymarin, Membranstabilisierung, Antioxidans, Regeneration — Indikation Leberschäden, Beleg beim Knollenblätterpilz.
Darf eine Hebamme Arnika-Globuli an Schwangere geben, und wofür wird Arnika eingesetzt?
Homöopathische Arzneimittel wie Arnika-Globuli sind apothekenpflichtig, aber nicht verschreibungspflichtig, und Hebammen dürfen sie im Rahmen ihrer Berufsausübung empfehlen und abgeben — die Hebammenberufsordnung erlaubt die Anwendung von Arzneimitteln, die nicht verschreibungspflichtig sind, für die Geburtshilfe und das Wochenbett; viele Hebammen führen Arnika, Bellis perennis und andere Globuli in ihrer Tasche. Die Abgabe bleibt formal an die Apothekenpflicht gebunden — die Hebamme bezieht sie aus der Apotheke und gibt sie an die Frau weiter, was als Anwendung im Rahmen der Betreuung geduldet ist. Ein Schaden ist bei Globuli in hohen Potenzen nicht zu erwarten, ein Nutzen über Placebo nicht belegt.
Arnika als Phytopharmakon ist etwas anderes: Arnikablüten enthalten Sesquiterpenlactone wie Helenalin, Flavonoide und ätherisches Öl und werden nur äußerlich angewendet — als Tinktur, Gel oder Salbe bei Prellungen, Verstauchungen, Blutergüssen, Muskel- und Gelenkschmerzen, Insektenstichen; Studien zeigen bei Arthrose eine Wirkung vergleichbar mit Ibuprofen-Gel. Innerlich ist Arnika giftig — Herzrhythmusstörungen, Magen-Darm-Schäden — und nur in homöopathischer Verdünnung zulässig. Kontaktallergien sind häufig, nicht auf offene Wunden, nicht bei Korbblütlerallergie, und in der Schwangerschaft äußerlich auf kleine Flächen begrenzt, weil Daten fehlen. Für die Prüfung: Hebamme darf nicht verschreibungspflichtige Mittel anwenden, Arnika phytotherapeutisch nur äußerlich bei stumpfen Verletzungen, innerlich nur homöopathisch — und die Globuli sind Placebo, nicht Gefahr.
Warum ist Schöllkraut lebertoxisch, und wo war es enthalten?
Schöllkraut — Chelidonium majus, ein Mohngewächs — enthält Isochinolinalkaloide wie Chelidonin, Berberin, Coptisin und Sanguinarin, die krampflösend an den Gallenwegen und schwach cholagog wirken; deshalb stand es in Magen-Galle-Präparaten und in der Kombination Iberogast bis 2021. Die Alkaloide sind in üblichen Dosen für die Leber toxisch: idiosynkratische Hepatitis mit Transaminasenanstieg, Gelbsucht, in Einzelfällen Leberversagen und Transplantation, meist innerhalb von Wochen bis Monaten nach Beginn, reversibel nach Absetzen. Das BfArM hat 2008 Schöllkrautpräparate mit über 2,5 Milligramm Alkaloiden pro Tag die Zulassung entzogen und die Leberwarnung für den Rest angeordnet.
Iberogast Classic enthält Schöllkraut weiterhin mit Warnhinweis auf Leberschäden; Iberogast Advance wurde 2021 ohne Schöllkraut und ohne Angelikawurzel neu formuliert — mit Iberis amara, Kamille, Kümmel, Pfefferminz, Melisse, Süßholz — und ist die Variante ohne dieses Risiko. Für die Beratung: Bei Reizmagen die Advance-Variante oder Pfefferminz-Kümmel-Öl; bei Lebererkrankung, Alkoholkonsum oder anderen lebertoxischen Mitteln kein Schöllkraut; bei Müdigkeit, Übelkeit, dunklem Urin, Gelbfärbung absetzen und Leberwerte. Und der Merksatz zu Pflanzen-Lebertoxizität: Schöllkraut, Kava-Kava, Pyrrolizidinalkaloide, Cimicifuga in Einzelfällen, Grüntee-Extrakt hochdosiert — pflanzlich heißt nicht leberschonend.
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Kenntnisprüfung Apotheker
2.201 Fragen der mündlichen Kenntnisprüfung mit ausformulierten Antworten — Recht, Pharmakologie, Klinische Pharmazie, Rezeptur und Galenik. Gegliedert in Antwort, Praxis, Rechtsgrundlage und Merksatz. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.
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