Kenntnisprüfung Apotheker: Rezeptur und Defektur
110 Fragen zu Rezeptur und Defektur stehen in der App, jede mit ausformulierter Antwort zum Aufsagen. Drei davon hier vollständig.
Was muss in der Herstellungsanweisung stehen?
Die Herstellungsanweisung ist der Plan — sie wird vor der Herstellung erstellt und beschreibt, wie das Arzneimittel zu machen ist. Sie gilt für jede Rezeptur und jede Defektur und wird vom Apotheker unterschrieben. Der Inhalt nach der Apothekenbetriebsordnung: Die Ausgangsstoffe — Art, Menge und Qualität; bei Fertigarzneimitteln als Ausgangsstoff auch die Charge. Die Primärpackmittel — Kruke, Tube, Flasche, mit Größe und Material. Der Herstellungsablauf — Schritt für Schritt: Einwiegen, Anreiben, Mischen, Erwärmen, Abfüllen — mit Geräten, Reihenfolge und Parametern wie Temperatur oder Rührzeit. Die Inprozesskontrollen — was während der Herstellung geprüft wird: Homogenität, pH-Wert, Aussehen, Gewicht. Die Endkontrolle und Freigabe — was am Ende zu prüfen ist. Die Kennzeichnung — was auf das Etikett kommt. Die Aufbrauchfrist. Die Ausbeute bei Defekturen.
Woher sie kommt: Für standardisierte Rezepturen liefert das NRF fertige Herstellungsanweisungen; die Rezepturdatenbanken und die Hersteller der Rezeptursysteme ebenfalls. Für individuelle Verordnungen schreibt sie der Apotheker, in der Regel aus einer Vorlage. Sie wird einmal erstellt und wiederverwendet — bei wiederkehrenden Rezepturen als Standard hinterlegt, bei Defekturen als Teil des Ansatzes. Abgrenzung zum Herstellungsprotokoll: Die Anweisung sagt, wie es gemacht werden soll, das Protokoll dokumentiert, wie es gemacht wurde — mit Datum, Namen, tatsächlichen Einwaagen, Chargen und Abweichungen. Beides gehört zusammen und wird zusammen aufbewahrt. Wer sie schreibt: der Apotheker. Die PTA arbeitet danach. Bei Fertigarzneimitteln als Ausgangsstoff — etwa Tabletten, die zu Kapseln verarbeitet werden — gehört das Fertigarzneimittel mit Charge in die Anweisung; die Plausibilität muss die Eignung belegen.
Was sind Suspensionen und Emulsionen?
Beides sind disperse Systeme — ein Stoff ist fein in einem anderen verteilt, ohne sich zu lösen: Suspension: fester Stoff in Flüssigkeit verteilt — Zinkoxid in Wasser (Schüttelmixtur), Antibiotika-Trockensäfte, Hydrocortison-Augentropfen, Insulin-NPH. Die Teilchen sind größer als in einer Lösung, sichtbar trüb, und sie sedimentieren — deshalb „vor Gebrauch schütteln“. Emulsion: Flüssigkeit in Flüssigkeit verteilt, die sich nicht mischen — Öl in Wasser oder Wasser in Öl. Milch, Lotionen, Cremes (halbfeste Emulsionen), Fettemulsionen zur Infusion. Sie brauchen einen Emulgator, der die Grenzfläche stabilisiert, und sie können aufrahmen oder brechen.
Die Stabilitätsfragen sind bei beiden physikalisch: Suspensionen: Sedimentation nach Stokes — große, schwere Teilchen in dünnflüssigem Medium sinken schnell. Gegenmittel: Teilchen verkleinern (mikronisieren, verreiben), Viskosität erhöhen (Verdicker wie Cellulosederivate, Xanthan), Benetzung verbessern (Netzmittel), und ein lockeres Sediment anstreben, das sich aufschütteln lässt — kein festes „Caking“. Die Gleichförmigkeit der Dosis hängt am Schütteln: Wer die letzte Portion ohne Schütteln nimmt, bekommt zu viel. Emulsionen: Aufrahmen (die leichtere Phase steigt), Koaleszenz (Tröpfchen verschmelzen), Brechen (Phasentrennung) — durch Elektrolyte, falschen Emulgator, Temperatur, Alkohol, unverträgliche Wirkstoffe. Gegenmittel: geeigneter Emulgator im passenden HLB-Bereich, Viskositätserhöhung, kleine Tröpfchen durch Homogenisieren. Beide in der Rezeptur: Suspensionen für unlösliche Wirkstoffe zum Einnehmen (Kinder!) und auf der Haut (Schüttelmixturen, Lotio alba); Emulsionen als Cremes und Lotionen. Die Abgrenzung zur Lösung: Eine Lösung ist einphasig, klar, sedimentiert nicht — der Wirkstoff ist molekular verteilt. Und zum Gel: Ein Gel ist ein Gerüst aus Makromolekülen in einer Flüssigkeit. Für die Prüfung: Suspension heißt fest in flüssig, Emulsion heißt flüssig in flüssig — und beides muss man schütteln.
Dürfen Sie ein Fertigarzneimittel als Ausgangsstoff in der Rezeptur verwenden?
Ja, unter Bedingungen. Die Apothekenbetriebsordnung lässt Fertigarzneimittel als Ausgangsstoffe zu — Tabletten, die zu Kapseln oder Säften verarbeitet werden, Salben, in die ein Wirkstoff eingearbeitet wird, Ampullen für Augentropfen. Der Grund ist praktisch: Für viele Wirkstoffe gibt es keinen Ausgangsstoff in Arzneibuchqualität, für Kinderdosierungen keine Fertigform. Die Voraussetzungen: Die Plausibilitätsprüfung muss die Eignung belegen — ist der Wirkstoff aus der Tablette in der neuen Form stabil und verfügbar, welche Hilfsstoffe bringt das Fertigarzneimittel mit, stört der Überzug? Retard- und magensaftresistente Formen dürfen nicht zerstört werden; Filmtabletten bringen Farbstoffe und Überzüge mit; Brausetabletten bringen Natrium.
Die Dokumentation: Das Fertigarzneimittel wird mit Name, Wirkstoffgehalt und Charge in Herstellungsanweisung und Protokoll aufgenommen; eine Identitätsprüfung entfällt, weil es zugelassen und chargengeprüft ist — die Charge sichert die Rückverfolgung. Die Rechnung: Bei Tabletten wird über den deklarierten Gehalt gerechnet, bei Salben über die Konzentration; das Gesamtgewicht der Tablette zählt als Füllstoff mit. Die Haltbarkeit ist kürzer als bei Ausgangsstoffen, weil die Stabilität der neuen Mischung nicht belegt ist — Kapseln aus Tabletten meist drei bis sechs Monate, Säfte aus Tabletten Tage bis Wochen gekühlt. Bei Fertigsalben als Grundlage: Der Hersteller hat die Stabilität nur für sein Produkt belegt; jede Zumischung ist ein Eingriff, und die Grundlage muss zum Wirkstoff passen — eine Fertigcreme mit anionischem Emulgator verträgt keinen kationischen Wirkstoff. Das NRF empfiehlt für Glucocorticoide ausdrücklich die Verdünnung des Fertigarzneimittels mit der passenden Grundlage, weil das Pulver gefährlicher und die Dosierung ungenauer ist. Die Grenze: Das Fertigarzneimittel darf nicht bedenklich sein und nicht zu einem Import ohne Zulassung führen; und die Verordnung muss die Verwendung tragen — bei Rabattverträgen gilt für den Ausgangsstoff die Hilfstaxe. Die Abrechnung läuft über die Hilfstaxe als Rezepturbestandteil, nicht als Fertigarzneimittelabgabe.
- Woher bekommen Sie Herstellungsanweisungen?
- Für wen werden in der Apotheke meist Zäpfchen hergestellt, und wie werden sie angewendet?
- Kann eine Apotheke die Identitätsprüfung für eine andere Apotheke durchführen?
- Wann und womit konservieren Sie eine Rezeptur?
- Warum machen Sie trotz Prüfzertifikat eine eigene Identitätsprüfung?
- Warum sind verschreibungspflichtige Defekturen ein Problem?
- Was gehört in den Hygieneplan der Rezeptur?
- Was gehört zum Qualitätsmanagementsystem der Herstellung?
- Was ist aseptisches Arbeiten?
- Was ist bei Harnstoff-Rezepturen zu beachten?
- Was ist bei Nasen- und Ohrentropfen in der Rezeptur zu beachten?
- Was ist bei Rezepturen für die Anwendung bei Tieren zu beachten?
- Was ist bei einer Cannabis-Rezeptur zu beachten?
- Was ist beim Abfüllen und Verschließen von Rezepturen zu beachten?
- Was ist beim Erwärmen und Schmelzen in der Rezeptur zu beachten?
… und 92 weitere.
Kenntnisprüfung Apotheker
2.201 Fragen der mündlichen Kenntnisprüfung mit ausformulierten Antworten — Recht, Pharmakologie, Klinische Pharmazie, Rezeptur und Galenik. Gegliedert in Antwort, Praxis, Rechtsgrundlage und Merksatz. Vollständig offline, ohne Konto, Einmalkauf ohne Abo.
Weitere Gebiete
- Apothekenbetriebsrecht141 Fragen
- Arzneimittelrecht140 Fragen
- Betäubungsmittelrecht110 Fragen
- Berufs- und Werberecht90 Fragen
- Sozialrecht und Abrechnung75 Fragen
- Gefahrstoff- und Chemikalienrecht75 Fragen
- Medizinprodukte und apothekenübliche Waren55 Fragen
- Herz und Kreislauf135 Fragen
- Selbstmedikation und Beratung120 Fragen
- Infektiologie und Antiinfektiva120 Fragen
- Stoffwechsel und Endokrinologie110 Fragen
- ZNS und Psyche110 Fragen
- Arzneimitteltherapiesicherheit95 Fragen
- Schmerz und Analgetika85 Fragen
- Gerinnung und Blut85 Fragen
- Atemwege80 Fragen
- Magen und Darm80 Fragen
- Pharmakokinetik und Pharmakodynamik75 Fragen
- Besondere Patientengruppen70 Fragen
- Phytopharmaka und Naturstoffe65 Fragen
- Galenik und Darreichungsformen85 Fragen
- Betriebswirtschaft und Apothekenführung50 Fragen
- Hygiene und Arbeitsschutz40 Fragen